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Geschichte

Der wahre Ursprung der Sinti und Roma

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Viele Mythen sind über den Ursprung jenes mysteriösen Volkes ausgearbeitet worden, das in jedem westlichen Land präsent ist und mit verschiedenen Namen benannt wird, üblicherweise als Zigeuner, Gypsies, Gitanos, Cigány etc., und dessen korrektes Ethnonym für die meisten Gruppen Rom (oder besser Rhom) ist und Sinti für andere. Wir werden hier nicht mit den universal anerkannten Legenden auseinandersetzen, sondern mit dem letzten und verbreitetsten Mythos, der immer noch für wahr gehalten wird: ihre angebliche indoeuropäische Volkszugehörigkeit.

Daß Roma Europa nach einer langen Reise erreichten, die irgendwo in Indien begann, ist eine Tatsache, die nicht bedeutet, daß sie aus ihrem ursprünglichen Heimatland kamen. Jeder muß von irgendeinem Ort kommen, wo seine Vorfahren zuvor lebten, wohin sie vielleicht aus irgendeinem anderen Land kamen.

Die ganze Hypothese hinsichtlich ihres angeblichen indoeuropäischen Volkstums gründet sich auf nur einer Sache: der Sprache Romanes. Solch eine Theorie berücksichtigt keine anderen wichtigen kulturellen Tatsachen und Hinweise, die zeigen, daß Roma mit indischen Völkern nichts außer einigen linguistischen Elementen gemeinsam haben. Wenn wir eine Hypothese ernst nehmen sollen, die nur die Sprache berücksichtig, um den Ursprung eines Volkes zu bestimmen, dann müssen wir annehmen, daß fast alle Nordafrikaner aus Arabien kamen, daß aschkenasische Juden ein deutscher Stamm sind, daß sephardische Juden Spanier waren, die einer religiösen Minderheit angehörten, aber keinem anderen Volk, und so weiter. Schwarze Amerikaner wissen nicht einmal, welche Sprache ihre Vorfahren sprachen, folglich müssen sie Engländer sein. Sprache allein ist definitiv keine ausreichende Grundlage, um den ethnischen Hintergrund festzustellen, und all die anderen bestimmenden Fakten sprechen gegen den indischen Ursprung der Roma – einschließlich auch mancher Hinweise in der Roma-Sprache selbst. Die relevantesten Elemente, die in jedem Volk seit fernster Vergangenheit fortbestehen, sind von spiritueller Natur, wie sie sich in ihren inneren Gefühlen, typischen Verhaltensweisen und der unterbewußten Erinnerung manifestieren, nämlich ihr atavistisches Erbe.

In diesem Essay beginne ich mit der Darlegung des Mythos, bevor ich die Fakten und die daraus folgende Hypothese über den wahren Ursprung der Roma präsentiere.

Viele Bemühungen sind von Wissenschaftlern unternommen worden mit dem Zweck, den indischen Ursprung der Roma zu beweisen, und sie alle sind einer nach dem anderen daran gescheitert, überzeugende Beweise zu liefern. Manche Darstellungen, die als Referenzen verwendet wurden, wie die von Firdausi geschriebenen Geschichten, sind nun diskreditiert. Alle Völker, die angeblich mit den Roma verwandt sind, nämlich Dom, Luri, Gaduliya Lohar, Lambadi, Banjara etc. haben in Wirklichkeit überhaupt keine Verbindungen mit den Roma und nicht einmal gemeinsame Ursprünge. Die einzige ersichtliche Ähnlichkeit sind das Nomadenleben und Berufe, die für jeden nomadischen Stamm jeglicher ethnischer Abstammung typisch sind. All diese müßigen Ergebnisse sind die natürliche Folge einer Forschungsarbeit, die nach falschen Mustern betrieben wird: sie ignorieren die Essenz der Kultur der Roma, das heißt, das spirituelle Erbe, das mit allen indischen Völkern inkompatibel ist.

Eine neuere Theorie, die einigen Erfolg in dem intellektuellen Umfeld hat, das sich für das Thema interessiert – und die dazu bestimmt ist, sich wie all die vorhergehenden Hypothesen als irrig zu erweisen – gibt vor, die ursprüngliche „Stadt“ entdeckt zu haben, aus der die Roma gekommen sein könnten: Kannauj in Uttar Pradesh, Indien. Der Autor ist jedenfalls zu einigen wertvollen Schlußfolgerungen gekommen, die all die vorherigen Theorien diskreditieren, doch nachdem er derselben Spur folgt, einem rein linguistischen Hinweis, verfehlt er das Ziel. Somit begründet der Autor die gesamte Argumentation auf einem angeblichen linguistischen Beweis, der völlig ungenügend ist, die kulturellen Merkmale der Roma zu erklären, die nicht mit Sprache zu tun haben und die unzweifelhaft viel relevanter sind, und keine zuverlässigen Beweise werden gegeben, die seine Theorie stützen.

In diesem Essay werde ich einige Behauptungen des Autors zitieren, obwohl ich seine seltsame und unpassender Art, Romanes-Wörter zu schreiben, durch eine richtigere und verständlichere Transliteration ersetze – zum Beispiel repräsentiert das „rr“ kein Phonem in Romanes; das gutturale „r“ wird besser durch „rh“ dargestellt, obwohl es nicht alle Romanes-Dialekte aussprechen, so wie die Volksbezeichnung „Rom“ entweder als „Rhom“ oder einfach „Rom“ gesprochen wird. Doch das „h“ wird herkömmlicherweise verwendet, um einen ergänzenden Laut zu einem vorhergehenden Konsonanten zu kennzeichnen, und wenn graphische Betonungszeichen, Circumflexes oder andere zusätzliche Zeichen vermieden werden sollen, ist das „h“ in vielen Fällen der beste ergänzende Buchstabe. Ich persönlich würde das slowenische Alphabet mit einigen leichten Veränderungen benutzen, um die Roma-Sprache besser zu transkribieren, aber da grafische Zeichen vielleicht nicht immer durch das Internet gezeigt werden, verwende ich das alternative System.

Zur Darlegung der oben erwähnten Theorie beginne ich mit einer Aussage des Autors, die ich für richtig halte und mit der ich übereinstimme:

„Es ist auch bekannt, daß es in Indien kein Volk mehr gibt, das eindeutig mit den Roma verwandt ist. Die verschiedenen nomadischen Gruppen in Indien, die als ‚gypsies‘ (mit kleinem ‚g‘) bezeichnet werden, haben keine Verwandtschaft oder genetische Verbindung mit den Roma. Sie bekamen die Bezeichnung ‚gypsies‘ von der britischen Kolonialpolizei, die sie im neunzehnten Jahrhundert als Analogie zu den ‚Gypsies‘ Englands so nannte. Zusätzlich wandte sie auf sie dieselben diskriminierenden Regeln an wie auf die englischen ‚Gypsies‘. Später beharrten die meisten europäischen Forscher in der Überzeugung, daß Nomadentum oder Mobilität ein Grundmerkmal der Identität der Roma sei, darauf, die Roma mit verschiedenen nomadischen Stämmen Indiens zu vergleichen, ohne irgendwelche wirklichen gemeinsamen Merkmale zu finden, weil ihre Forschungsarbeit durch ihre Vorurteile hinsichtlich nomadischer Gruppen konditioniert worden war.“

Dies ist wahr, Forscher haben vorgefaßte Muster verwendet, auf denen sie ihre Hypothesen gründeten. Dennoch ist der Autor nicht davon ausgenommen, denselben Fehler begangen zu haben. Aus seiner eigenen Erklärung gehen die folgenden Fragen hervor: Warum gibt es in Indien kein einziges Volk, das mit den Roma verwandt ist? Warum wanderte das gesamte Volk der Roma aus, ohne die geringste Spur von sich oder irgendwelche Verwandten zu hinterlassen? Es gibt nur eine mögliche Antwort: sie waren keine Inder, ihr Ursprung lag nicht in diesem Land, und ihre Kultur war völlig inkompatibel mit der indischen. Nur eine religiöse Minderheit kann en masse aus einem Land auswandern, in dem die meisten Einwohner von derselben ethnischen Population sind. Und eine religiöse Minderheit bedeutete in jenen Zeiten einen „importierten“ Glauben, der nicht im indoarischen Bereich geschaffen wurde. Das angebliche Exil in Khorassan, das vom Autor als der Grund präsentiert wird, wegen dem die Roma Indien verließen, ist unbegründet und gibt keine Erklärung betreffend die angestammtesten Glaubensinhalte und Traditionen der Roma, die weder indisch noch moslemisch sind (denn Khorassan war in jenen Zeiten nicht mehr mazdaistisch), aber ich werde mich mit diesem Thema später in diesem Essay befassen.

Jedenfalls stellt der Autor in seiner folgenden Aussage einen Mythos bloß:

„Was die angeblichen Ähnlichkeiten zwischen Romanes und der einen oder anderen indischen Sprache, üblicherweise Punjabi oder Rajasthani, angeht, so ist die nur ein Trick, der von denjenigen Nationalisten praktiziert wird, die diese Sprachen sprechen und Verteidiger dieser Nationen sind: sie versuchen bloß, die Zahl ihrer Population künstlich zu erhöhen.“

Dies ist genau der Fall. Ich habe zufällig in vielen Rajput/Jat-Diskussionsgruppen herausgefunden, daß sie überzeugt sind (oder zu sein behaupten), daß die Roma Jats oder ein Rajput-Clan sind. Entweder sind sie guten Glaubens oder nicht, ihre Behauptungen werden in einem nationalistischen Kontext geäußert und scheinen irgendeinen politischen Zweck zu haben. Der hauptsächliche sogenannte Beweis, den sie anführen, ist, daß die Araber die Roma „Zott“, nannten, das bedeute „Jat“, nachdem sie angeblich im Nahen Osten erschienen. Ehrlich gesagt sind die Darstellungen der arabischen Historiker hinsichtlich Richtigkeit nur etwas verläßlicher als die „Geschichten aus 1001 Nacht“.

Nachdem ich den Autor der „Kannauj-Theorie“ gebührend für diese wichtigen Reflektionen gewürdigt habe, entblöße ich nun seine Behauptungen, in denen es ihm nicht gelang, die Gesamtheit seiner Hypothese zu stützen:

„Im Gegensatz zu dem, was man in fast allen Publikationen lesen kann, wußten die ersten Roma, die in Europa ankamen, voll über ihre indische Herkunft Bescheid. Es gibt definitive Beweise dafür in mehreren Dokumenten, die auf das fünfzehnte und sechzehnte Jahrhundert zurückgehen. Erst später focht ein mythischer ägyptischer Ursprung die Darstellungen der wirklichen Ursprünge der Roma in Indien an. Da er prestigereicher war, würde er schließlich ihrer Integration in Europa helfen. Tatsächlich wurde der Mythos von der ägyptischen Herkunft der Roma nach und nach als authentisch akzeptiert.“

Bevor ich auf diese Erklärung antworte, zeige ich eine weitere Aussage, in der der Autor sich selbst widerspricht:

„Unter all den Legenden ist eine der hartnäckigsten der angebliche ägyptische Ursprung des Roma-Volkes, den sie selbst schon im sechzehnten Jahrhundert in Umlauf zu bringen begannen. […] In beiden Fällen förderten das Prestige Ägyptens, das sich in der Bibel widerspiegelt, und die Geschichten von Verfolgungen, die von Christen in diesem Land erlitten wurden, wahrscheinlich eine größere Akzeptanz der Ägypten-Legende als des wahren indischen Ursprungs, und es half ihnen wahrscheinlich dabei, Geleitbriefe und Empfehlungsschreiben von Fürsten, Königen und sogar vom Papst zu bekommen.“

(Über das, was zwischen den Klammern ausgelassen wurde, wird später berichtet werden.)

Die erste Behauptung ist unrichtig, denn es gibt ältere Dokumente, die sogar auf das zwölfte Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung zurückgehen, in denen „Ägypter“ erwähnt werden, womit Roma gemeint sind. Üblicherweise wurden Roma mit unterschiedlichen Namen entsprechend ihrer unmittelbaren Herkunft benannt, zum Beispiel wurden in Westeuropa die ersten Roma „Böhmen“ oder „Ungarn“ (diese Bezeichnung ist in vielen Ländern immer noch sehr häufig) etc. genannt, während Araber sie „Zott“ nannten, was „Jat“ bedeutet, weil sie aus dem Industal kamen. Sie sind in Europa niemals „Inder“ genannt worden. Doch nachdem die Roma über den Bosporus aus dem Iran und Armenien nach Europa kamen, ist es unwahrscheinlich, daß sie dabei über Ägypten kamen – es war in ihrer eigenen historischen Erinnerung, daß sie einst in Ägypten waren, von wo ihre Wanderung begann, und sie erklärten es zu ihrem ältesten Ursprungsort. Zu dieser Zeit war Indien beinahe völlig vergessen. Bevor sie byzantinisches Territorium erreichten, hatten die Roma, wie der Autor selbst zugibt, eine lange Zeit in moslemischen Ländern gelebt, und es ist bekannt, daß jemand, der den Islam angenommen hatte, kaum zum Christentum konvertieren würde. Als die Roma in Byzanz ankamen, waren sie bereits Christen.

Nun eine interessante Frage: Wie kannten die Roma DIE BIBEL in moslemischem Territorium? Dies ist etwas, das der Autor nicht rechtfertigen kann, nachdem die Roma die heilige Schrift bis in jüngere Zeit nur vom Hörensagen kannten! Sicherlich konnten sie in Indien, Persien und in den arabischen Ländern, wo sie reisten, bevor sie Europa erreichten, niemals etwas über die Bibel gehört haben, und sicherlich nicht einmal in Byzanz oder Europa, wo die heiligen Schriften für gewöhnliche Leute verboten und nicht in der gängigen Sprache geschrieben waren. Es gibt keine Möglichkeit, daß die Roma die Bibel kannten, wenn nicht deshalb, weil die ganze biblische Geschichte tief in ihrem kollektiven Gedächtnis eingraviert war. Diese Erinnerung wurde während ihres langen Exils in Indien bewahrt, in solch starker Weise, daß sie nicht einmal das geringste Element der hinduistischen Kultur oder irgendeiner anderen in Indien existierenden übernahmen.

Die meisten Roma lesen nun die Bibel, und sie alle rufen erstaunt: „All unsere Gesetze und Regeln stehen in der Bibel!“ – Kein anderes Volk auf der Welt außer den Juden kann so etwas sagen, niemand in Indien und auch in keinem anderen Land.

(Dies ist das, was oben zwischen den Klammern ausgelassen wurde)

„Auf jeden Fall wurden zigeunerische Wahrsager in Byzanz schon sehr früh Aigyptissai, ‚Ägypter‘, genannt, und der Klerus verbot allen, sie zwecks Wahrsagerei zu konsultieren. Auf der Grundlage von Hesekiels Buch (30:23) werden die Roma nicht nur auf dem Balkan Ägypter genannt, sondern auch in Ungarn, wo sie in der Vergangenheit manchmal als ‚Volk des Pharao‘ (Faraonépek) bezeichnet wurden, und im Westen, wo Worte, die aus dem griechischen Namen der Ägypter stammen (Aigypt[an]oi, Gypsy und Gitano) weithin benutzt werden, um den atlantischen Zweig des Roma-Volkes zu bezeichnen.“

Es sollte einen Grund geben, warum sie in Byzanz Ägypter genannt wurden, einen Grund, der vom Autor nicht erläutert wird. Dieser ist, daß die Roma selbst zugaben, irgendwann in ferner Vergangenheit in Ägypten gewesen zu sein. Es gibt auch ein anderes griechisches Wort, mit dem Roma in Byzanz identifiziert wurden: „Athinganoi“, wovon sich die Begriffe Cigány, Tsigan, Zingaro, etc. ableiten. Die Byzantiner wußten sehr wohl, wer die Athinganoi waren, und sie identifizierten die Roma mit ihnen. Tatsächlich passen die wenigen Informationen, die wir über diese Gruppe haben, in vieler Hinsicht zur Beschreibung der heutigen Roma. Es gibt nicht genug Beweise, um zu behaupten, daß die Athinganoi Roma waren, aber in gleicher Weise gibt es keine Beweise für die Behauptung, daß sie es nicht waren. Der einzige Grund, warum die Möglichkeit, daß die Athinganoi mit den Roma identifiziert werden könnten, a priori fallengelassen worden ist, ist der, daß sie ungefähr zu Beginn des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts erwähnt werden, als laut den eingefleischten Unterstützern des indischen Ursprungs Rome zu dieser Zeit nicht in Anatolien gewesen sein sollten. Den Athinganoi wurde solch ein Name in Verbindung mit ihren rituellen Reinheitsgesetzen gegeben, die jeden Kontakt mit anderen Menschen als unrein betrachteten, was dem Roma-Gesetz betreffend „Gadje“ (Nicht-Roma) recht ähnlich ist. Sie praktizierten Magie, Wahrsagerei, Schlangenbeschwörung etc., und ihr Glaube war eine Art von „reformiertem“ Judaismus, vermischt mit Christentum (oder mit Zoroastrismus?), da sie den Sabbat und andere Regeln der Thora behielten, an die Einheit Gottes glaubten, aber sie praktizierten nicht mehr die Beschneidung und führten Taufen durch (was nicht exklusiv christlich ist, sondern auch ein üblicher Ritus unter Feueranbetern). Betreffend die Athinganoi sagt die Jewish Encyclopedia: „Sie können als Juden betrachtet werden.“

Eine weitere sehr bedeutsame Tatsache ist, daß die Roma ihre Wanderungen mit dem Pharao in Verbindung bringen, etwas, das für das hebräische Volk exklusiv ist. Die ältesten Aufzeichnungen betreffend die Ankunft von Roma in Europa berichten über ihre Erklärung, Sklaven des ägyptischen Pharaos gewesen zu sein; daher gibt es zwei Möglichkeiten: entweder war es Teil ihrer historischen Erinnerung, oder es war etwas, das sie später erfanden, um die Gunst der Menschen zu gewinnen – die zweite Möglichkeit ist sehr unwahrscheinlich, nachdem solch eine Erklärung sie mit nur einem Volk identifizieren könnte, welches genau das meistgehasste in Europa war, und nicht die günstigste Identität war, die man wählen konnte.

„Da sie Überreste einer früheren ägyptischen Migration nach Kleinasien und auf den Balkan beobachteten, erkannten sie, daß es für sie profitabel wäre, vorzugeben, sie seien Christen aus Ägypten, die von Moslems verjagt oder zu ruhelosem Wandern verurteilt wurden, um für ihren Glaubensabfall zu büßen.“

Dies war eine „Korrektur“, die sie vornahmen, nachdem sie erkannt hatten, daß die ursprüngliche Version ihres ägyptischen Aufenthalts in Sklaverei unter dem Pharao selbstschädigend war, weil sie als Juden etikettiert wurden. Diese zweite, korrigierte Version ist das, was der Autor als „die früheste Erwähnung dieser Legende im sechzehnten nachchristlichen Jahrhundert“ betrachtet, aber die ursprüngliche Darstellung war viel älter. Roma haben nie gesagt, daß sie aus Indien kamen, bis irgendwelche Gadje im 20. Jahrhundert ihnen sagten, daß sie studiert haben und daß die „Wissenschaft“ bestimmt, daß sie Inder sind!

Die Überzeugung des Autors, daß das ursprüngliche Heimatland der Roma die Stadt Kannauj war, beruht auf einer einfachen Mutmaßung und der Sammlung einiger schwacher Elemente, die nichts beweisen und leicht durch andere Fakten zu widerlegen sind, die ich später darlegen werde. Lesen wir nun seine Hypothese:

„…eine Passage im Kitab al-Yamini (Buch der Yamin) des arabischen Chronisten Abu Nasr Al-‚Utbi (961-1040), in der über den Angriff von Sultan Mahmud von Ghazni auf die imperiale Stadt Kannauj berichtet wird, der im Dezember 1018 in ihrer Plünderung und Zerstörung und der Deportation ihrer Bewohner nach Afghanistan resultierte… Jedoch waren sie nach unvollständigen Chroniken, die nur ein paar Vorstöße ins nordwestliche Indien erwähnen, nie voll in der Lage, den Mechanismus dieses Exodus zu beschreiben… sie beschreibt einen Überfall, der im Winter 1018-1019 durchgeführt wurde und viel weiter nach Osten ausgriff, über Mathura hinaus, bis zur prestigereichen mittelalterlichen Stadt Kannauj, 50 Meilen nordwestlich von Kanpur… Im frühen elften Jahrhundert war Kannauj (das ehemalige Kanakubja des Mahabharata und des Ramayana), das sich vier Meilen entlang der Ufer des Ganges ausbreitete, immer noch ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des nördlichen Indien. Nicht nur behaupteten die gelehrtesten Brahmanan Indiens, aus Kannauj zu stammen (wie sie es heute immer noch tun), sondern es war auch eine Stadt, die ein sehr hohes Zivilisationsniveau im Sinne dessen erreichte, was wir nun Demokratie, Toleranz, Menschenrechte, Pazifismus und sogar Ökumenismus nennen würden. Doch im Winter 1018 – 1019 kam ein Stoßtrupp aus Ghazni (nun in Afghanistan) und nahm die Bevölkerung von Kannauj gefangen, die sie danach als Sklaven verkaufte. Es war nicht der erste Raubzug des Sultans, aber die vorherigen waren nur bis Pandschab und Rajasthan gekommen. Diesmal zog er weiter nach Kannauj, einer großen Stadt mit mehr als 50.000 Bewohnern, und nahm am 20. Dezember 1018 die gesamte Bevölkerung gefangen, ‚reich und arm, hell und dunkel […] die meisten davon ‚Notabeln, Künstler und Handwerker‘, um sie, ‚ganze Familien‘, in Ghasni und Kabul zu verkaufen (laut Al-‚Utbis Text). Später schienen laut demselben Text Khorassan und der Irak ‚voll von dieser Population‘ gewesen zu sein. Was ist es, das uns zu dem Glauben führt, daß die Ursprünge der Roma in dieser Razzia liegen?“

Hier zeigt der Autor, daß ihn die kulturellen Elemente der Roma überhaupt nicht kümmern, sondern daß er nur daran interessiert ist, einen möglichen Ursprung in Indien und nirgends sonst zu finden. Daher sind viele wichtige Details ignoriert worden. Hier erwähne ich ein paar:

  • Zu dieser Zeit wurde die Stadt Kannauj von der Pratihara-Dynastie regiert, die keine Indoarier waren, sondern Gujjar, nämlich Khasaren. Nach den linguistischen Regeln leiten sich die indoarischen Begriffe „Gujjar“ und „Gujrati“ vom ursprünglichen Namen „Khasar“ durch die Standardregeln der Lautverschiebung ab: Indoarische Sprachen, denen die Phoneme „kh“ und „z“ fehlen, transkribieren sie als „g“ bzw. „j“. Falls Roma die Einwohner von Kannauj waren, dann waren sie keine Indoarier, sondern eng verwandt mit den heutigen Ungarn, Bulgaren, einem kleinen Teil der aschkenasischen Juden, mit Baschkiren, Tschuwaschen und einigen anderen Völkern des Kaukasus und des Wolgabeckens… Die Bezeichnung „Ungarn“, wie sie in den meisten westlichen Ländern häufig genannt werden, wäre dann doch nicht so unzutreffend – jedenfalls exakter als „Inder“.
  • Wenn die Roma sich bis zum elften nachchristlichen Jahrhundert immer in Indien aufgehalten haben, wie der Autor behauptet, dann hätten sie sicherlich die verbreitetste Religion in diesem Gebiet praktiziert, oder jedenfalls hätten sie viele Kulturelemente des Brahmanismus absorbiert, besonders wenn es ein so prestigereicher Stammbaum ist, ein Brahmane aus Kannauj zu sein. Doch es gibt nicht die geringsten Spur einer brahmanistischen Tradition in der Spiritualität und Kultur der Roma; im Gegenteil, es ist nichts weiter vom „Romaimós“ (Zigeunertum) entfernt als der Hinduismus, Jainismus, Sikhismus oder irgendein anderer aus Indien stammender „-ismus“.
  • Der Sultan von Ghazni war unzweifelhaft ein Moslem. Die Menschen, die er deportierte, wurden nach Afghanistan, Khorassan und andere Teile des Iran umgesiedelt. Dies hätte nicht die Übernahme von Kulturelementen aus dem Mazdaismus begünstigt (die in der Roma-Kultur recht offensichtlich sind), sondern hätte im Gegenteil dazu beigetragen, sie zu meiden, nachdem die Feueranbeter von den Moslems beinahe ausgelöscht wurden – sicherlich würde ein Volk im Exil keine verbotene Religion annehmen, um definitiv ausgerottet zu werden! Folglich waren die Roma lange vor dem Aufstieg des Islam in iranischen Ländern, als die Feueranbetung immer noch die vorherrschende Religion war. Roma waren im Iran, bevor sie Indien erreichten, und ihre Kultur war bereits voll definiert, als sie dort ankamen. Es gibt ein Volk, das genau die gleichen Charakteristika hatte: die Israeliten des Königreichs Samaria im Exil im Mederreich, die ihr mosaisches Erbe beibehielten, aber einige Praktiken der Mager übernahmen und nur eines nicht behielten: ihre ursprüngliche Sprache (wie es auch südliche Juden nicht taten; Hebräisch ist von Juden nicht gesprochen worden, bis der Staat Israel 1948 wieder gegründet wurde). Indische Juden sprechen indische Sprachen, und doch sind sie Juden, keine Indoeuropäer.

Nachdem ich kurz die schwachen Punkte festgestellt habe, auf denen die Theorie vom Ursprung in Kannauj liegt, ist es nun richtig, die Gründe des Autors zu betrachten:

„Hauptsächlich die folgenden Punkte:

  • Das Detail ‚hell und dunkel‘ würde die Vielfalt der Hautfarben erklären, auf die man bei den verschiedenen Roma-Gruppen trifft, wenn die ursprüngliche Population gemischt war. Es gab wahrscheinlich viele Rajputs in Kannauj. Diese Leute waren nicht mit der indigenen Bevölkerung verwandt, waren aber wegen ihrer Verdienste zur Würde von Kshatrias erhoben worden. Daher könnten sie der vorerwähnte ‚dunkle‘ Teil der Bevölkerung gewesen sein.“

Dies ist solch eine naive Behauptung für einen Wissenschaftler. Es ist gut belegt, daß die Roma sich auf ihrer langen Reise mit verschiedenen Völkern vermischt haben. Genau wie die Juden. Es genügt, Israel zu besuchen, um zu bemerken, daß es schwarze Juden gibt, blonde Juden, hochgewachsene Juden, kleine Juden, Juden, die wie Inder aussehen, wie Chinesen, wie Europäer etc. Die vom Autor erwähnte Darstellung zeigt, daß die Bevölkerung von Kannauj nicht homogen war und nicht einer einzigen Volksgruppe angehörte! In Wirklichkeit gab es Rajputs genauso wie Gujratis und viele andere, wenn die Stadt so kosmopolitisch war, wie es scheint. Dies beweist nicht, daß Roma das Volk von Kannauj waren.

„• Die Tatsache, daß die gefangenen Sklaven aus allen Gesellschaftsschichten kamen und hochgeborene Individuen dazugehörten, könnte erklären, wie sie so leicht mit wichtigen und einflußreichen Leuten wie Königen, Kaisern und Päpsten bekanntgemacht wurden, als sie Europa erreichten. Dies war deshalb so, weil es unter den Roma Nachkommen von ‚Notabeln‘ aus Kannauj gab. Der französische Indologe Louis Frédéric bestätigt, daß die Bevölkerung von Kannauj großteils aus ‚Notabeln‘, Künstlern, Handwerkern und Kriegern bestand.“

Dies ist reine Spekulation. Roma schreiben sich für gewöhnlich irgendeinen angesehenen Titel zu, um Gunst zu gewinnen, Geleitbriefe zu bekommen etc. Das wurde vor nur einem Jahrhundert noch von Roma praktiziert, die in Südamerika ankamen und behaupteten, „Fürsten aus Ägypten“ oder Notabeln von irgendwo anders zu sein. Die Behörden begannen argwöhnisch zu werden, nachdem so viele Fürsten aus fremden Ländern ankamen. Es gibt eine bedeutende Tatsache, die der Autor nicht berücksichtigt hat: Er hat zuvor erklärt, daß Kannauj ein prestigereiches brahmanistisches Zentrum war. Wie ist es möglich, daß es unter den Roma keine Priesterkaste gibt? Was geschah mit den vermuteten „Rom-Brahmanen“? Alle indoarischen Völker hatten eine Priesterkaste, und viele andere Völker hatten eine, einschließlich der Medo-Perser (die Mager), und auch semitische Völker, außer einem: die nördlichen Israeliten – nach ihrer Trennung von Juda verloren sie die Leviten, und daher wurde kein besonderer Stamm für die Priesterschaft ernannt. Es gab Notabeln, Künstler, Handwerker, Krieger und jede Art von gesellschaftlichem Status unter Israeliten, aber keine Priester. Ebenfalls interessant ist, daß israelitische Notabeln an den Höfen der heidnischen Könige sehr geschätzt waren, und da sie seine besondere prophetische Gabe hatten, wurden viele Israeliten in Persien zu Magern sowie Wahrsager und Zauberer. Nicht zu vergessen, daß die häufigste Magie, die von Roma praktiziert wird, das Tarot ist, eine hebräische Erfindung.

„• Diese gesellschaftliche Vielfalt in der ursprünglichen deportierten Bevölkerung könnte auch das fortdauernde Überleben der Roma-Sprache erklären, nahezu tausend Jahre nach dem Exodus. Wie die Soziolinguistik gezeigt hat, wird eine Population im Exil umso länger ihre ursprüngliche Sprache weitergeben, je mehr sie aus gemischten sozialen Hintergründen besteht.“

Diese Behauptung stützt nichts und ist recht fragwürdig, da es viele Beispiele für das Gegenteil gibt: die Geschichte bezeugt, daß Hebräer aus jedem gesellschaftlichen Status ins Exil gebracht wurden, und sie verloren ihre Sprache in relativ kurzer Zeit – eine einzigartige Tatsache ist, daß sie die verschiedenen Sprachen, die sie im Exil übernahmen, lange Zeit statt ihrer ursprünglichen behielten, zum Beispiel sprechen mizrahische Juden immer noch assyrisches Aramäisch; sephardische Juden sprechen Ladino, ein mittelalterliches Spanisch, das sie sechs Jahrhunderte nach ihrer Vertreibung aus Spanien behalten; aschkenasische Juden sprechen Jiddisch, und Roma sprechen Romanes, die Sprache, die sie im Exil übernahmen.

Andere Beispiel von Völkern aus jeder sozialen Schicht, die ins Exil gebracht wurden oder in beträchtlicher Zahl auswanderten und ihre Sprache in kurzer Zeit verloren, sind amerikanische, brasilianische und karibische Schwarze, Italiener der 2. und 3. Generation in Amerika, Argentinien, Uruguay, Brasilien etc., Araber der 2. und 3. Generation in denselben Ländern, etc. Andere Gemeinschaften haben eine stärkere Verbindung zu ihrer Sprache, wie Armenier, Roma oder Juden. Es gibt kein universales Muster, wie der Autor behauptet.

„• Die geographische Einheit des Ortes, von dem die Vorfahren der Roma kamen, erklärt auch die auffallende Geschlossenheit des indischen Elements in der Sprache Romanes, nachdem die Hauptunterschiede zwischen den Dialekten nicht in der indischen Komponente der Sprache zu finden sind, sondern in dem Vokabular, das auf europäischem Boden entlehnt wurde.“

Diese Tatsache bedeutet nicht, daß ihr Ursprung auf dem Gebiet Indiens lag. Es stimmt, daß Romanes anfänglich in einem indoeuropäischen Kontext geformt wurde, aber dieselben „indischen“ Worte sind auch anderen Sprachen gemeinsam, die außerhalb des Subkontinents existierten, nämlich in Mesopotamien. Hurritische Sprachen sind der wahrscheinlichste Hintergrund, aus dem die indischen Sprachen entstanden (überprüfen Sie einfach die alten Aufzeichnungen der Mitanni, um zu erkennen, daß das Sanskrit seinen Ursprung in dieser Region hatte). Mit dem Sanskrit verwandte Sprachen wurden in einem weiten Bereich des Nahen Ostens gesprochen, einschließlich in Kanaan: die biblischen Horiter (Hurriter) wohnten in der Negev, die Jebusiter und Hiwiter, zwei hurritische Stämme, im Gebiet von Juda und Galiläa. Nördliche Israeliten wurden von den Assyrern anfänglich nach „Hala, Havur, Guzana und in die Städte der Meder“ umgesiedelt (2 Könige 17:6) – das ist genau das Land der Hurriter. Nach dem Fall von Nineveh unter Babylon wanderten die meisten Hurriter mit einem Teil der exilierten Israeliten nach Osten aus und gründeten Choresmien, von wo sie weiters das Industal und die obere Gangesregion kolonisierten. Es ist interessant, daß manche besondere Wörter im Romanes althebräische oder altaramäische Wörter sind, die niemals in einer späteren Periode auf ihrem Weg durch den Nahen Osten nach Europa erworben worden sein konnten, sondern nur in seinem sehr frühen Stadium der Geschichte, vor ihrer Ankunft in Indien. Ein sehr wichtiges und eines, das von der Theorie vom „indischen Ursprung“ nie berücksichtigt wird, ist die ethnische Selbstbezeichnung der Roma: „Rom“. Es gibt in keinem Sanskrit-Dokument eine Erwähnung irgendeines Volkes namens Rom. Das Wort selbst, das „Mann“ bedeutet, hat nur einen Bezug: altägyptisch rom = Mann. Laut der Bibel hatten die nördlichen Israeliten einige Dialektunterschiede zu den Judäern und hatten mehr Bindung an die ägyptische Kultur sowie zur kanaanitischen Umwelt. Die israelische Religion nach der Abspaltung von Juda erinnerte an die ägyptische, die Anbetung des Kalbes. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, daß das ägyptische Wort mit der Bedeutung Mann von den nördlichen Israeliten auch nach dem Exil in Hanigalbat und Arrapka und danach immer noch verwendet wurde.

Doch da die Ursprünge nicht durch die Sprache gesucht werden sollten, werde ich mich hier über dieses Thema nicht weiter auslassen.

„• Dieses Argument untergräbt völlig die Theorie, daß die Roma ‚von einer einfachen Konglomeration von Dom-Stämmen‘ (oder welcher anderer Gruppen auch immer) entstanden. Es ist hier erwähnenswert, daß Sampson bereits angemerkt hat, daß die Roma ‚als eine einzige Gruppe nach Persien kamen, die eine gemeinsame Sprache sprach‘.“

Ich stimme diesem Argument völlig zu; doch es ist wichtig anzumerken, daß die „Dom-Theorie“ bis vor kurzer Zeit unter Wissenschaftlern die „offizielle“ war, und da diese diskreditiert wurde, beruht auch jede andere Theorie, die mit einem indischen Ursprung verbunden ist, auf falschen Mustern, die zu einer niemals endenden widersprüchlichen Forschungsarbeit führen.

„• Es konnte wahrscheinlich eine große Zahl von Dhomba-Künstlern in Kannauj gegeben haben, wie in allen zivilisierten Städten jener Zeit. Als hauptsächliches intellektuelles und spirituelles urbanes Zentrum im nördlichen Indien zog Kannauj zweifellos zahlreiche Künstler an, unter denen viele Dhomba waren (vielleicht, aber nicht definitiv, die Vorfahren der heutigen Dhombs). Als nun die Bevölkerung von Kannauj in Khorassan und benachbarten Gebieten verstreut war, fesselten die Dhomba-Künstler höchstwahrscheinlich das Interesse der örtlichen Bevölkerung, mehr als die Notabeln und Handwerker, was die Ausdehnung des Namens Dhomba als Bezeichnung für die gesamte Gruppe der Fremden aus Kannauj erklären würde. Diese könnten diesen Namen später als Selbstbezeichnung übernommen haben (im Gegensatz zur allgemeineren Bezeichnung Sind[h]~, pers. Hind~, ionisches Griechisch Indh~ in der Bedeutung von „Inder“ – woraus vielleicht der Name ‚Sinto‘ entstand, trotz der paradoxen Entwicklung von ~nd~ zu ~nt~, die in diesem Fall postuliert werden müßte. Tatsächlich scheinen manche einzelne Roma-Dialekte, hauptsächlich in Ungarn, Österreich und Slowenien, diese Evolution von ~nd~ zu ~nt~ aufzuweisen.)“

Nachdem der Autor keine praktikable Erklärung des Begriffs „Rom“ findet, greift er auf spekulative Vorwände zurück, die absolut unwahrscheinlich sind. Das ist in seinen eigenen Ausdrücken offensichtlich: „könnten wahrscheinlich“, „vielleicht“, „könnten haben“, „scheinen“… Die gesamte Struktur, auf der diese Theorie beruht, fällt durch die Unmöglichkeit zusammen, die kulturellen und spirituellen Merkmale zu erklären, die den Rom und Sinti zu eigen sind, und im Wesentlichen enthüllt diese Behauptung „könnten diesen Namen Dhom später als Selbstbezeichnung übernommen haben“ sich als völlig irrig. Der Autor widerspricht sich selbst, da er zuvor behauptete, daß „viele aus Kannauj Notabeln waren“, dann unterstellte er, daß dieselben „Notabeln“ die Bezeichnung einer „niedrigeren Kaste“, wie es die Dhomba-Künstlern waren, für sich übernommen haben.

„• Die Tatsache, daß die Proto-Romani-Population aus einem urbanen Gebiet gekommen war und hauptsächlich aus Notabeln, Künstlern und Handwerkern bestand, könnte vielleicht die sehr kleine Zahl von Roma erklären, die bis jetzt in der Landwirtschaft arbeitete. Obwohl ‚der Boden der Region reich und fruchtbar war, die Feldfrüchte reichlich und das Klima warm‘, bemerkt der chinesische Pilger Xuán Zàng (auch romanisiert als Hsüan Tsang): ‚wenige der Bewohner der Region betrieben Landwirtschaft‘. In Wirklichkeit wurde das Land seit der Antike hauptsächlich für die Produktion von Parfümblumen kultiviert (hauptsächlich für religiöse Zwecke).“

Auch diese Behauptung beweist nichts, sondern bestärkt die Hypothese, daß sie in Wirklichkeit keine Inder waren: ein korrekter Vergleich mit dem jüdischen Volk führt zum selben Ergebnis, da Juden von jedem sozialen Status aus ihrem Land weggebracht wurden, und doch haben Juden sich niemals der Landwirtschaft gewidmet und immer in Städten gewohnt, wo immer sie in der Diaspora sind. Juden wurden erst in jüngerer Zeit zu Bauern, im Staat Israel, weil es für die Entwicklung der Nation notwendig war. Es gibt Hinweise darauf, daß die Roma, als sie in Indien ankamen, bereits Menschen mit denselben Charakteristika waren, die sie heute haben; da sowohl die Nord-Assyrer wie auch die babylonischen Assyrer eine selektive Deporation aus den beiden Königreichen Israel und Juda praktizierten, wie wir lesen: „Und er (der König von Babylon) brachte ganz Jerusalem ins Exil, und all die Offiziere und all die mächtigen Krieger – zehntausend Menschen – und all die Handwerker und Schmiede. Keiner blieb zurück außer den ärmsten Menschen des Landes. Und er brachte Yehoyakin, und die Mutter des Königs, und seine Ehefrauen, und seine Notabeln, und die Führer des Landes aus Jerusalem nach Babylon ins Exil, und all die Krieger und Handwerker und Schmiede…“ (2 Könige 24:14-16): „Aber der Befehlshaber der Armee ließ einige der Armen des Landes als Weingärtner und Bauern zurück (2 Könige 25:12). Dasselbe taten die assyrischen Könige 120 Jahre davor mit dem Nördlichen Königreich, und jene Bauern, die sie zurückließen, sind die heutigen Samariter, während die größte Zahl der Israeliten immer noch „verloren“ ist, und es gibt gewissen Hinweise, daß die meisten von ihnen nach Indien migrierten.

„• Es scheint, daß eine kleine Gruppe vor dem Überfall auf den Wassern des Ganges floh und nach Benares zog, von wo sie wegen der Feindseligkeit der indigenen Bevölkerung wieder wegzogen, um sich im Gebiet von Ranchee anzusiedeln. Diese Menschen sprechen Sadri, eine spezifische indische Sprache, die hauptsächlich für die Kommunikation zwischen den Stämmen benutzt wird. Es ist erwähnenswert, daß Sadri die indische Sprache zu sein scheint, die die leichteste Kommunikation zwischen ihren Sprechern und den Sprechern von Romanes ermöglicht.“

Wiederum stützt der Autor sich auf seine spekulative Theorie, die einen indischen Stamm nur durch einige anscheinend häufigen linguistischen Merkmale mit den Roma verbindet, aber nichts, das mit der Kultur und Spiritualität der Roma und ihren Regeln und Traditionen zusammenhängt, und liefert keinen historischen Beweis. Sprachen sind ein relativer Bezugspunkt und sind oft irreführend, nachdem sie leicht von völlig unverwandten Völkern übernommen werden können. Vielleicht kennt der Autor keine rätselhaften Fälle wie den folgenden: es gibt eine Provinz in Argentinien, Santiago del Estero, wo eine indigene Sprache aus der vorkolonialen Zeit immer noch gesprochen wird: Ketschua, ein Dialekt der Inkasprache; die besondere Tatsache ist, daß fast alle, die diese Sprache sprechen, keine Indigenen sind, sondern syrisch-libanesische Araber, die sich vor ungefähr einem Jahrhundert in dieser Provinz ansiedelten! Im angenommenen Fall eines zukünftigen katastrophalen Ereignisses, bei dem keine Aufzeichnungen von der arabischen Einwanderung übrigbleiben, würden Wissenschaftler des 25. Jahrhunderts sicherlich spekulieren, daß jene Araber die letzten echten Überlebenden der alten Inkazivilisation sind… Was sie nicht erklären könnten, ist, warum jene „Inkas“ in einem römisch-katholischen Land christlich-orthodoxe Traditionen haben, obwohl die beiden Traditionen einander bei weitem näher stehen als die Kultur der Roma und jene der Inder.

Ein weiteres ähnliches Beispiel gibt es von den Sinti selbst: im nordwestlichen Italien wird der lokale piemontesische Dialekt von den Gadje immer weniger gesprochen; er wird hauptsächlich von älteren Individuen praktiziert, ist aber nicht mehr die Erstsprache der piemontesischen Kinder, die Italienisch sprechen. Die Bewahrung dieses Dialekts hängt fast ausschließlich von den Sinti „Piemontesi“ ab, die ihn als ihre eigene „Roma“-Sprache übernommen haben und bis zum Ende des gegenwärtigen Jahrhunderts wahrscheinlich die einzigen Sprecher dieser Sprache sein werden. In einer imaginären Situation wie der oben genannten würden zukünftige Wissenschaftler zum Schluß kommen, daß die authentischen Piemontesen die Sinti dieser Region sind…

„• Weiters haben Sadri-Sprecher die Gewohnheit, bei besonderen Zeremonien etwas Getränk vor dem Trinken auf den Boden zu schütten und zu sagen: ‚für unsere Brüder, die vom kalten Wind jenseits der Berge weggebracht wurden‘ (persönliche Kommunikation von Rézmuves Melinda). Diese ‚Brüder‘ könnten Mahmuds Gefangene sein. Jedoch ist ein ausführlicheres Studium der Sadri-sprechenden Gruppe notwendig.“

Eine weitere spekulative Mutmaßung, die auf keinen konkreten Fakten beruht. Deportationen waren in jenen Zeiten häufig, und zu behaupten, daß sie sich auf Roma beziehen, ist mehr als riskant. Bedeutsamer in dieser Sadri-Tradition ist, daß der „kalte Wind jenseits der Berge“ kaum geeignet ist für eine Deportation westwärts jenseits der Flüsse, natürlich durch einen warmen Wind; es kann sich eher auf eine Deportation nach Norden über den Himalaya beziehen, wo der kalte Wind weht.

„• Die Schutzgöttin von Kannauj war Kali, eine Gottheit, die unter Roma immer noch sehr populär ist.“

Dies ist eine recht seltsame Behauptung für jemanden, der ein Gelehrter der Roma-Kultur sein will, denn in Wirklichkeit haben Roma keine Ahnung von der indischen Göttin Kali, und es gibt keine solche „Popularität“. Ich weiß nicht, ob der Autor diese falsche Aussage mit dem einzigen Zweck der Stärkung seiner Theorie eingefügt hat, aber ich ziehe es vor, an seinen guten Glaubebn zu glauben. Es gibt kein Element in meiner Familie, das zum Glauben führen könnte, daß solch eine Tradition jemals existierte, und auch in keiner der zahlreichen Roma- und Sintifamilien, denen ich weltweit begegnet bin, von Rußland bis Spanien, von Schweden bis Italien, von den Vereinigten Staaten bis Feuerland, aus jedem Roma-Zweig von den Kalderasha/Churarya/Lovarya bis zu den spanischen Kalé, von den Estraxharya/Eftavagarya-Sinti bis zu den finnischen Kale, von den Machwaya bis zu den südamerikanischen Khoraxhané. Ich fordere jeden heraus, Roma zu fragen, was sie denken, wer Kali war – ihre Antwort würde lauten: „eine schwarze Frau“, denn „kali“ ist die weibliche Form von „kaló“, was „schwarz“ bedeutet (nicht weil sie wirklich wissen, daß die indische Götzenfigur ebenfalls schwarz ist). Ich kenne die meisten der sehr bedeutenden Roma-Familien weltweit, und ich schlage vor, daß der Autor Roma in Argentinien besucht, wo aus irgendeinem Grund die mit den Kalderash verbundene Roma-Kultur authentischer bewahrt wird als irgendwo sonst.

Die Verehrung der Sara kali durch einige Gruppen in der Camargue ist mit der römisch-katholischen Kultur verbunden, nicht mit der hinduistischen. Tatsächlich gibt es „schwarze Madonnen“ in fast jedem römisch-katholischen Land (einschließlich Polens!). Sara „kali“ wird so genannt, weil sie eine schwarze Frau ist, die durch Zufall oder nicht den Namen der Mutter des hebräischen Volkes hat, und dies könnte der Grund ein, warum die katholischen Roma sie als ihre eigene Heilige ausgewählt haben.

„• Weiters bedeutete der ehemalige Name der Stadt Kanakubja (in griechischen Quellen auch Kanogyza) ‚bucklige, verkrüppelte Jungfrau‘. Der Ursprung dieses überraschenden Namens ist in einer Passage von Valmikis Ramajan zu finden: Kusmabha hatte eine Stadt namens Mahodaja (Großer Wohlstand) gegründet; er hatte hundert schöne Töchter, und als sie eines Tages im königlichen Garten spielten, verliebte Vàju, der Gott des Windes, sich in sie und wollte sie heiraten. Leider stieß er auf Ablehnung, und aus Zorn verwandelte er sie in Bucklige, was zu dem Namen der Stadt wurde. In einer anderen Version war Kana Kubja der Spitzname einer Verehrerin Krischnas, der der Gott einen schönen und gesunden Körper als Dank dafür wiederherstellte, daß sie seine Füße leidenschaftlich salbte. In Wirklichkeit war ‚bucklige Jungfrau‘ einer der Titel für die Bezeichnung von Durga, der Kriegergöttin, einer weiteren Form der Kali. In anderen Worten, wir können eine Parallele ziehen: kana kubja (‚bucklige Jungfrau‘) = Durga = Kali. Rajko Djuric hat auf einige Ähnlichkeiten zwischen dem Roma-Kult um Bibia oder Kali Bibi und dem indischen Mythos von Kali hingewiesen.“

Eine weitere rein spekulative Argumentation, die keine wirkliche Untermauerung hat. Ähnliche Geschichten sind im Nahen Osten sehr häufig (ich empfehle dem Autor, für eine bessere Dokumentation die „Geschichten aus 1001 Nacht“ zu lesen). Es ist wohlbekannt, daß Roma üblicherweise Fabeln aus den Ländern übernehmen, in denen sie wohnten, und sie an ihre eigene Fantasie anpassen. Es ist ebenfalls eine Tatsache, daß die meisten „Roma“-Fabeln auch als „jüdische“ Fabeln etikettiert sind, und beide behaupten, die Originalquelle zu sein. Es gibt auch einige persische, armenische und sogar arabische Fabeln in der mündlichen Literatur der Roma.

Ich frage mich, warum der Autor nicht die Popularität des Propheten Elias bei vielen Roma-Gruppen erwähnt… vielleicht weil er den „indischen“ Ursprung solch einer Tradition nicht erklären könnte. Elias war ein Prophet des nördlichen Königreichs Israel.

„• Die Zeit, die die Roma in Khorassan verbrachten (ein Jahrhundert oder mehrere Jahrhunderte) würde auch die Zahl der persischen Wortstämme erklären, die in das Romanes-Vokabular integriert wurden (ungefähr 70 – neben 900 indischen Wortstämmen und 220 griechischen), nachdem Khorassan eine persischsprachige Region war.“

Dasselbe Muster triftt auf ihren Aufenthalt in Indien zu. Da solche Wörter keinen persischen Ursprung beweisen, beweisen nicht einmal die indischen Wörter einen indischen Ursprung, sondern nur einen langdauernden Aufenthalt! Die folgende Darlegung des Autors ist rein linguistisch orientiert, und obwohl sie eine berechtigte Überlegung ist, beweist sie dennoch keinen Ursprung in Kannauj, wie wir sehen werden:

„• Ein weiteres auffallendes Element ist die Übereinstimmung dreier linguistischer Merkmale, die das Romanes mit den Sprachen des Gebietes um Kannauj verbinden, und nur oder hauptsächlich mit ihnen, nämlich:

– unter allen modernen indoarischen Sprachen unterscheiden nur Braj (auch Braj Bhakha genannt, eine Sprache, die von etwa 15 Millionen Benutzern unmittelbar westlich von Kannauj gesprochen wird) und Romanes zwei Geschlechter in der Einzahl der dritten Person des persönlichen Fürwortes: jo oder vo im Braj (wahrscheinlich o in Alt-Braj) und ov, vov oder jov – ‚er‘ – im Romanes für das männliche und ja oder va im Braj und oj, voj oder jon – ‚sie‘ für das weibliche Geschlecht, während alle anderen indoarischen Sprachen eine einzige Form, üblicherweise yé, vé – ‚er, sie‘ – für beide Geschlechter. Diese spezifischen Fürwörter sind jeden Tag auf den Straßen von Kannauj zu hören.

– unter allen modernen indoarischen Sprachen haben nur die Dialekte des Raumes um Kannauj, einige der Braj-Sprachen und Nepali (Nepal ist nur sechzig Meilen von Kannauj entfernt) eine Endung der männlichen Hauptwörter und Eigenschaftswörter auf ~o (oder ~au = ~o), die mit Romanes identisch ist, wo es ebenfalls ~o ist: purano ‚antik, alt‘ (andere indoarische Sprachen purana, Romanes purano), taruno‚ jung [wörtlich in Hindi]‘ (andere indoarische Sprachen taruna, Sinto tarno, Romanes terno). In Wirklichkeit unterliegt die Dialektentwicklung des häufigen ~a zu ~o recht komplizierten Regeln, die immer noch aufgeklärt werden müssen.

– und zuletzt präsentiert unter allen modernen indoarischen Sprachen nur Awadhi (eine Sprache, die von etwa 20 Millionen Benutzern in einem großen Bereich westlich von Kannauj gesprochen wird) genau wie das Romanes eine alternative lange Form des besitzanzeigenden nachgestellten Verhältniswortes. Es gibt nicht nur eine strikte Parallele in dem Phänomen selbst, sondern die nachgestellten Verhältnisworte sind auch in der Form identisch: zusätzlich zur kurzen Form (~ka, ~ki ~ke), die allen indoarischen Sprachen gemeinsam ist, hat Awadhi eine lange Variante ~kar(a), ~keri, ~kere, genau wie viele der archaischsten Romanes-Dialekte, wie jene von Mazedonien, Bulgarien (~qoro, ~qiri and ~qere), der Slowakei und Rußlands (~qero, ~qeri, ~qere); diese Form ist in den Sinti-Dialekten reduziert worden (~qro, ~qri, ~qre). Zusätzlich hat eine jüngste Feldforschungsmission in manchen Dörfern des Raumes um Kannauj Spuren eines unerforschten Vokabulars enthüllt, die dem Romanes sehr ähnlich sind (tikni ‚klein‘, daj ‚Mutter‘ [im allgemeinen Hindi ‚Hebamme‘], ghoro ‚Krug‘, larika ‚Bursche‘ [allgemeines Hindi larkha] etc…) All dies rechtfertigt Professor Ian Hancocks Aussage: ‚die Sprache, die dem Romanes am nächsten steht, ist das westliche Hindi‘, üblicher Braj genannt, das die meisten seiner Merkmale mit dem modernen Kannauj teilt.“

Wie ich schon zuvor sagte, ist die Überlegung interessant, doch sie beweist nichts, aus den folgenden Gründen:

  • All die Bemerkungen, die der Autor aufgelistet hat, zeigen, daß das Romanes grammatikalisch komplexer ist als die meisten Sprachen, die heutzutage in Indien gesprochen werden, was bedeutet, daß es zu der Zeit, als die Roma sich in Indien aufhielten, dort sehr wahrscheinlich eine homogenere Sprache gab, die sich noch nicht zu den verschiedenen Sprachen entwickelt hatten, die nach linguistischer Logik vom grammatischen Standpunkt aus leichter sind. Dies geschah zum Beispiel mit dem Latein, das einst in einem weiten Bereich Westeuropas gesprochen wurde und sich zu Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch, Okzitanisch, Rumänisch etc. entwickelte, die alle eine viel leichtere Grammatik haben.
  • Folglich waren, wie ebenfalls angemerkt wird, all die westindischen Sprachen einst nur eine, von der das Romanes sich ein einem frühen Entstehungsstadium trennte. Solch ein primitives Stadium der Sprache könnte sehr wohl auf die hurritische Periode hindeuten, vor irgendeinem Aufenthalt in Indien, aber das ist nur eine Annahme. Was daraus hervorgeht, ist, daß auf jeden Fall die gesamte westliche Hindi-Familie, nämlich die Sprachen des Industales und von Rajasthan, direkte Abkömmlinge jener sogenannten „Kannauj“-Sprache sind, und dies deutet darauf hin, daß das Romanes nicht unbedingt mit dem Gebiet um Kannauj verbunden sein muß, sondern gut möglich mit der gesamten Region verbunden sein könnte, von Kaschmir bis Gujarat, von Sindh bis Uttar Pradesh.
  • Es ist auch sicher, daß das oben erwähnte Gebiet, aus dem das Romanes gekommen sein sollte, damals nichts mit den arischen Indern zu tun hatte, sondern mit den skytho-sarmatischen Völkern, die im Industal und in Sakastan siedelten, einschließlich Kannauj (das von einer Gujarati-Dynastie regiert wurde) und die etwas gemeinsam hatten: sie alle kamen aus dem Westen! Es gibt überwältigende Beweise dafür, daß die Völker des Industales Sakas waren, keine Arier, aber das ist nicht der Gegenstand dieses Essays.
  • Die Tatsache, daß Spuren dieser uralten Sprache im Gebiet von Kannauj immer noch existieren, bedeutet überhaupt nicht, daß es das ursprüngliche Land ist, und in der Sprachgeschichte gibt es viele Beispiele:

– einst war die keltische Sprache in fast ganz Europa weitverbreitet, heute überlebt sie in einigen Regionen der Britischen Inseln und in der Bretagne, die nicht das Heimatland der Kelten sind.

– Wenn man wiederum das Latein als Beispiel nimmt, ist die nächststehende Sprache, die heute gesprochen wird, nicht Italienisch, sondern Rumänisch, weit entfernt von dem Land, wo das Latein geboren wurde.

– Einst wurden fast vier Jahrhunderte lang (zwischen Attila und Árpád) in der gesamten Ukraine Magyarisch und eng verwandte Sprachen gesprochen, und heute gibt es in der Ukraine keine Spur des Magyarisch, aber es wird in Ungarn, Transsylvanien und einigen benachbarten Regionen gesprochen.

– In gleicher Weise ist Türkisch in Kleinasien bis zum Ende des Mittelalters nicht gesprochen worden, und es existiert nicht mehr in seinem ursprünglichen Heimatland.

– Es ist bewiesen, daß die baskische Sprache (Euskara) ihren Ursprung im Maukasus hatte, auf der anderen Seite Europas gegenüber dem, wo Baskisch nun gesprochen wird, und ohne dazwischenliegende Verbindung, ohne Spuren der langen Reise, die die alten Basken durchführten, und ohne einen Ort im Kaukasus, wo Baskisch immer noch existiert, sondern nur ein paar verwandte Sprachen.

– Die einzigen Menschen, die die Wikigersagas immer noch in der Sprache lesen können, in der sie geschrieben wurden, sind die Isländer und die Bewohner der Färöer-Inseln, während Schweden, Norweger und Dänen, wo die Sagas geschrieben wurden, sie kaum verstehen können.

– Die altsumerische Sprache konnte nur mit Hilfe des modernen Ungarisch entziffert werden, was zeigt, wie ungenau es ist, eine Sprache mit dem Gebiet zu verbinden, in dem sie gegenwärtig gesprochen wird.

Es gibt viele andere Beispiele wie diese, obwohl diese genug sein sollten. Doch es gibt eine weitere Untersuchung, die der Autor vorschlägt:

„Was die Chronologie des Exodus betrifft, so paßt sie auch zu Mahmuds Zeit, nachdem klar ist, daß er nicht vor dem 10. Nachchristlichen Jahrhundert stattgefunden haben konnte, wenn man sieht, daß das Romanes zwei grammatikalische Hauptmerkmale aufweist, die am Ende des ersten Jahrtausends zustande kamen, nämlich:

  1. a) die Bildung des Postpositionalsystems statt der alt- und mittelindischen Beugungen;

b ) der Verlust des Neutrums mit der Zuordnung der ehemals neutralen Hauptwörter zum männlichen oder weiblichen Geschlecht. Nachdem fast all diese Hauptwörter im Romanes denselben Geschlechtern zugeordnet worden sind wie im Hindi (Hancock 2001:10), kann man nur schlußfolgern, daß dieses Phänomen stattfand, als Romanes immer noch auf indischem Boden gesprochen wurde. Dementsprechend spaltete das Romanes sich von anderen indischen Sprachen erst nach diesen Evolutionen ab.“

Was der Autor nicht begreift, ist das Folgende: es gab keine einheitliche indische Sprache, sondern ein besonderes Merkmal zwischen der skytho-sarmatischen Region und dem arischen Gebiet, und daß:

  1. a) die Postposition [das nachgestellte Verhältniswort] ein Merkmal ist, das in den von skytho-sarmatischen Völkern gesprochenen Sprachen sehr häufig ist;
  2. b) es in der Industal-Variante des „Altindischen“ nur das männliche und das weibliche Geschlecht gab, bevor den Brahmanen die Vereinigung ganz Indiens oder des Großteils davon gelang, folglich war auch die Sprache irgendwie vereinheitlicht, und es ist logisch, daß beide Parteien dazu beitrugen, doch die leichteste Form setzte sich durch, und das neutrale Geschlecht verschwand aus der arischen Variante. Es war nicht notwendig, daß die Roma immer noch in Indien waren, als die Sprache vereinheitlicht wurde.

Der Rest des Essays, der vom Autor der „Theorie vom Ursprung in Kannauj“ geschrieben wurde, befaßt sich nicht mit dem angeblichen Ursprung des Roma, sondern mit einigen historischen Aspekten von Kannauj, die für diese Recherche nicht relevant sind, daher beschließe ich hier die Kommentare zu dieser Hypothese und beginne mit der Darlegung anderer Aspekte der Roma-Kultur, die sicherlich wichtiger als die Sprache sind und die zeigen, daß die Roma nichts mit irgendeinem indischen Volk gemeinsam haben, weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit. Die Aspekte, die ich hier präsentieren werde, können von den Unterstützern der Theorie vom indischen Ursprung nicht erklärt werden.

Die kulturellen und spirituellen Aspekte des Roma-Volkes können in zwei Hauptkategorien klassifiziert werden:

1) Glaubensinhalte, Gesetze, Regeln und Praktiken, die mit hebräischen verwandt sind; sehr wichtig im Gemeinschaftsleben der Roma;
2) mit der Feueranbetung verwandte Praktiken und manche mit dem Glauben verbundene Elemente; sie regulieren großteils die Beziehung zum Nicht-Roma-Eleent.

Vor der Darlegung dieser Aspekte ist es passend, einen kurzen historischen Überblick zu geben, um es dem Leser zu ermöglichen zu verstehen, wie und warum die Roma zu einer bestimmten Zeit in Indien waren und warum sie ihren Ursprung nicht in diesem Land haben können. Die „Prähistorie“ der Roma begann in Mesopotamien, im unteren Tal des Euphrat; ihre „Proto-Geschichte“ im unteren Niltal und in Kanaan…

Während der semitischen Expansion im Nahen Osten zog eine akkadische Familie aus Sumer nach Kanaan und später nach Ägypten, wo sie an Zahl und Bedeutung innerhalb der ägyptischen Gesellschaft zunahm; so sehr, daß sie gehasst und der Sklaverei unterworfen wurden, bis die Zeit ihrer Befreiung kam und sie das Land verließen, um sich in Kanaan anzusiedeln. Zu dieser Zeit bestanden sie aus dreizehn Stämmen, von einen einer für den Priesterstand berufen war, daher waren die anderen zwölf das „Volk“ namens Israel. Diese Nation hatte eine Besonderheit, die sie von jeder anderen Nation in dieser Zeit unterschied: sie glaubten an nur einen Gott. Sie empfingen eine Anzahl von Gesetzen, Regeln und Glaubensartikeln, die befolgt werden mußten und jeden gesellschaftlichen Aspekt und ihre strikte Trennung von jedem anderen Volk betrafen; Gesetze betreffend rituelle Reinheit und Unreinheit und andere Charakteristika, die sie zu einem eigenartigen Volk machten, das von jedem anderen auf der Welt verschieden war. Sie hatten eine gemeinsame Erinnerung, daß sie in Ägypten im Exil waren, und ein gemeinsames Erbe, diese Anzahl von Vorschriften, die bestimmten, daß im Falle ihrer Nichteinhaltung ihr Schicksal wiederum das Exil sein würde, nicht in Ägypten, sondern in jedem Land.

Dennoch begannen, sobald sie ihr Territorium erobert hatten, die Abweichungen zwischen dem führenden Stamm und den anderen immer offensichtlicher zu werden, bis ihr Königreich sich in zwei teilte: die nördlichen Stämme hingen mehr an ihrer ägyptischen Vergangenheit und wählten als Zeichen der Trennung das ägyptische Götzenbild, das wie ein Kalb geformt war, um den Einen Gott zu repräsentieren (sie verehrten schließlich auch niedrigere Gottheiten), und sie lehnten den Priesterstamm ab, der sich dem südlichen Königreich Juda anschloß. Dieses nördliche Königreich erlaubte einige verbotene Praktiken im Zusammenhang mit Magie und Wahrsagerei. Im Jahr 722 v. Chr. marschierten die Assyrer in ihrem Land ein und schickten fast die gesamte Bevölkerung ins Exil, wobei sie nur die Bauern zurückließen, und siedelten sie in ein anderes Land um, das die Assyrer bereits erobert hatten: das ehemalige Königreich Hanigalbat-Mitanni, ein Land, wo eine dem Romanes sehr nahestehende Sprache gesprochen wurde und dessen Hauptgottheiten Indra und Varuna waren. Dieses Land lag nicht in Indien, sondern im oberen Mesopotamien. Das Volk dieses Landes ist der Geschichte als Hurriter bekannt. Hier bringe ich einen Einschub, um eine kurze Beschreibung dieser Nation zu geben, bevor ich mit der Geschichte unseres Volkes fortfahre:

Die Hurriter, die ursprünglichen Inder

Die frühesten Zeugnisse einer indischen Sprache sind nicht in Indien zu finden, sondern im Tigris-Euphrat-Becken, ca. 1600 v. Chr. Hier lag das Reich Mitanni, das sich von den Ufern des Mittelmeeres bis zum Zagros-Gebirge erstreckte und sich mit den Hethitern im Westen und mit den Ägyptern im Südwesten im Konflikt um die Kontrolle des Euphrats befand. Die Sprache von Mitanni war das Hurritische; es gibt klare Beweise für die Verwendung des indischen Vokabulars in den Dokumenten aus Mitanni:

ila-ni mi-it-ra as‘-s’i-il ila-ni u-ru wa.na-as’s’i-el (in einam anderen Text a.ru-na-as‘.s’i-il) in.dar (anderer Text: in-da.ra) ila-ni na-s’a-at-ti-ya-an-na (vgl. Winckler, Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft No. 35, 1907, S. 51, s. Boghazkoi-Studien VIII, Leipzig 1923, S. 32 f., 54 f.)

All die vier Vertragsgötter werden in einer Hymne des Rigveda erwähnt (RV. 10.125.1). P. Thieme zeigte, daß die Götter der Mitanni-Verträge spezifisch vedische Götter sind, Varun.a und Mitra, Indra und N-satyau, mit diesen Formen ihrer Namen, können und in den Veden zurückverfolgt werden. Und doch erschienen sie in den hurritischen Aufzeichnungen!

In dem Vertrag zwischen den Hethitern und Mitanni schwört der Mitanni-König bei: Mi-it-ra (der indische Mitra), Aru-na (Varun.a), In-da-ra (Indra) und Na-sa-at-tiya (Nasatya oder As’wins). Ein hethitischer Text über das Pferdetraining und Streitwagenfahren, geschrieben von Kikkuli (einem Mitanni) verwendet indische Ziffern, um die Zahl der Wendungen eines Streitwagens auf einer Bahn anzugeben: aika (indisch eka ‚eins‘), tera (tri ‚drei‘), panza (panca ‚fünf‘) und na (nava ‚neun‘).

Ein weiterer hurritischer Text von Nuzi verwendet indische Wörter, um die Farbe der Pferde zu beschreiben, zum Beispiel babru (indisch babbru ‚braun‘), parita (palita ‚grau‘) und pinkara (pingala ‚rötlich‘). Der mitannische Streitwagenfahrer wird „marya“ genannt (indisch-vedisch marya ‚Krieger, junger Mann‘). Zusätzlich dazu gibt es eine Reihe von Namen der Edelmänner oder der Aristokratie von Mitanni, die eindeutig indisch sind.

Die meisten Autoritäten zu dem Thema sind sich nun allgemein einig, daß die arischen linguistischen Überreste im Nahen Osten spezifisch mit dem Indoarischen zu verbinden sind und nicht mit dem Iranischen, und auch, daß sie keine dritte, unabhängige arische Gruppe darstellen und nicht dem hypothetisch rekonstruierten Proto-Arischen zuzuschreiben sind. Diese Schlußfolgerung ist im Titel von M. Mayrhofers Bibliographie zu dem Thema, Die Indo-Arier im Alten Vorderasien (Wiesbaden 1966) enthalten, und man kann sie nun als die allgemein akzeptierte Sicht annehmen. Sie beruht darauf, daß, wo immer es eine Abweichung zwischen dem Iranischen und dem Indoarischen gibt, und wo solche Elemente in den nahöstlichen Aufzeichnungen erscheinen, Letztere immer mit dem Indoarischen übereinstimmen.

Die Teilung des Proto-Arischen in zwei Zweige, Indoarisch und Iranisch, muß stattgefunden haben, bevor diese Sprachen in ihren schließlichen Heimaten etabliert wurden, und nicht bloß an Entwicklungen liegen, die in jeder der beiden Gruppen stattfanden, nachdem die Indoarier sich in Indien ansiedelten und die Iraner im Iran. Diese Schlußfolgerung könnte nur widerlegt werden, wenn gezeigt werden könnte, daß die vedischen Inder, nachdem sie den ganzen Weg aus ihrer früheren Heimat in den Pandschab migriert waren, dann in ihren Fußstapfen zurückgegangen wären und eine weitere Migration in Richtung des Nahen Ostens unternommen hatten. Es gibt keine Beweise dafür, und es scheint, daß eine Theorie, die solch eine Komplikation enthält, mit Sicherheit ignoriert werden kann… Eine weitere Schlußfolgerung daraus ist, daß das Datum der proto-arischen Periode weiter zurückverlegt werden muß, als man oft gedacht hat, und wahrscheinlich kann es nicht unter spätestens 2000 v. Chr. gebracht werden.

Sarasvati ist an erster Stelle der proto-indoarische Name des Flusses im Iran, der nach der Migration auf den Fluß in Indien übertragen wurde. Der iranische Name Haraxvaiti ist ein Lehnwort aus dem Proto-Indoarischen, mit einer Ersetzung des S- durch H-, die auch in Hind/Sindhu vorkommt. Ein weiterer Fall ist der Flußname Sarayu, der vom Iran (Haraiva-/Haro-yu) auf einen Fluß in Nordwestindien übertragen wurde, und dann noch einmal von dort auf einen Nebenfluß des Ganges in Ostindien.

Man kann auf der Basis des altsumerischen Handwerkswortes ta/ibira, „Kupferbearbeiter“ annehmen, daß die Hurriter seit früher Zeit im Nahen Osten gewesen sind, wofür ein überzeugender Beweis aus einer hurritischen Quelle erbracht werden kann (Otten 1984, Wilhelm 1988). Atal-s’en bezeichnet sich als den Sohn eines S’atar-mat, der ansonsten unbekannt ist und dessen Name ebenfalls hurritisch ist. Die Herrschaftszeit von Atal-s’en kann nicht mit Sicherheit datiert werden, gehört aber wahrscheinlich in das Ende der Guti-Periode (ca. 2090 – 2048 v. Chr.) oder in die ersten Jahrzehnte der Periode Ur III (2047 – 1940 v. Chr.). Aufzeichnungen aus der Periode Ur III enthüllen, daß die Berggebiete östlich und nördlich des Tigris- und des Euphrattales zu dieser Zeit von hurritisch sprechenden Völkern bewohnt waren, die in der Zwischenzeit auch in das östliche Tigris-Land nördlich der Diya-la eingedrungen waren. Als Folge der Kriege von S’ulgi (2029 – 1982 v. Chr.) fanden große Zahlen hurritischer Gefangener sich in Sumer wieder, wo sie als Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Dies ist der Grund, warum so viele Menschen mit hurritischen Namen in der Periode Ur III in Südmesopotamien zu finden sind. Die Etymologie mancher Namen ist sicherlich oder höchstwahrscheinlich indoarisch, denn zum Beispiel Artatama = vedisch r.ta-dha-man „dessen Aufenthaltsort r.ta ist“, Tus’ratta (Tuis’eratta) = vedisch tves-a-ratha „dessen Streitwagen wild voranstürmt“, Sattizawa = alt-inodarisch sa_ti-va_ja „erwirbt Beute“, vedisch va-ja-sa-ti „Erwerb von Beute“ (Mayrhofer 1974: S. 23 – 25). Die hurritische Sprache war im 14. Vorchristlichen Jahrhundert bis mindestens Zentralsyrien (Qatna, also wahrscheinlich Qadesh) in Gebrauch, und diese Expansion resultiert wahrscheinlich aus den Populationsverschiebungen während des Aufstiegs von Mitanni. Unter den Göttern, die im späten 14. Vorchristlichen Jahrhundert immer noch von den Königen von Mitanni geehrt wurden, finden wir Mitra-, Varun.a, Indra- und die Na-satya-Zwillinge, die uns auch aus den Veden bekannt sind, den ältesten indischen Gedichten.

Die lange Reise nach Indien

Zurück zur Geschichte unseres Volkes: Das oben Beschriebene ist das Land, wo wir sie im Jahr 722 v. Chr. finden. Dies war der Beginn ihrer neuen Sprachevolution und der Beginn ihres Vergessens des Volkes, das sie einst waren, außer ihrem Bewußtsein, ein anderes, ein besonderes Volk zu sein, das sich nicht mit den „Goyim“ (später Gadje) vermischen darf. Sie haben bestimmte Regeln, auf die sie nicht verzichten werden, die Reinheitsgesetze und den Glauben an Einen Gott, den Einen, der versprach und erfüllte: sie werden wieder im Exil sein, vielleicht für immer… Sie werden nicht mehr „Israel“ genannt werden, nun sind sie bloß „Menschen“, die ihre Vorväter im ägyptischen Exil „Rom“ nannten.

Nach der Assyrerherrschaft deportierten die Babylonier auch ihre südlichen Brüder, aber diese behielten ihre Identität, ihre Gesellschaftsstruktur und ihren Priesterstamm, und 70 Jahre später kehrten sie nach Kanaan zurück, nachdem sie nun als „Juden“ anerkannt waren. In ihrem relativ kurzen Exil gelang es ihnen, einen Teil ihrer nördlichen Brüder zurückzuholen, aber der Großteil blieb im Exil.

Babylon fiel unter eine neue aufsteigende Macht, Medo-Persien, ein nichtsemitisches Volk, das vielmehr mit den Hurritern/Mitanni verbunden war. Sie hatten eine besondere Religion, zu der Feueranbetung und Magie gehörten; tatsächlich wurde ihre Priesterkaste Mager genannt. Das exilierte Volk, vormals Israeliten und nun einfach „Menschen“, Rom, war in solchen Künsten sehr begabt und verstand, daß es profitabel war, sie zu praktizieren, daher wurden diese Elemente in ihre eigene Kultur übernommen, aber hauptsächlich betreffend ihres Verhaltens gegenüber den anderen, den Gadje. Das persische Reich war riesig und erstreckte sich bis hinauf nach Sakastan [Sīstān], über den Sindh hinaus. Dies war ein sehr begehrenswertes Land und wird ihnen auch geholfen haben, ihr Exil in Assyrien zu vergessen; das richtige Land, um sich niederzulassen und ein neues Leben zu beginnen…

Nun hat in den letzten Jahren eine internationale jüdische Organisation namens Kulanu („Wir alle“), die hauptsächlich darauf abzielt, die verlorenen Stämme des alten Israel zu finden, Erfolg bei dieser Aufgabe, und es gibt ein besonderes Gebiet der Welt, wo viele von ihnen endlich gefunden worden sind: Indien. Es gibt Nachkommen der von den Assyrern exilierten Israeliten in jedem Teil Indiens, von Kaschmir bis Kerala, von Assam bis Afghanistan. Sie werden nicht durch ihre Sprache identifiziert, die eine indische ist, sondern durch andere kulturelle Merkmale – doch keiner davon versammelt so viele hebräische Elemente wie die Roma!

Tatsächlich zeigen hinsichtlich der Orte, wohin die allgemein so genannten verlorenen Stämme Israels migrierten, überwältigende Beweise, daß der größte Teil während der persischen und mazedonischen Herrschaft nach Indien übersiedelte, und die meisten von ihnen bevorzugten das skythisch-sarmatische Gebiet, nämlich das Industal, Kaschmir, Rajasthan und die obere Gangesregion. Natürlich waren sie keine homogene Masse mehr, da sie in separaten Gruppen in verschiedene Länder migrierten und neue eigene Ethnien schufen; dies bedeutet, daß die Roma nur einer von mehreren israelitischen Gruppen sind, die ihren Ursprung nicht mehr kennen – der Unterschied ist, daß die Roma in den Westen zurückkehrten und die Aufmerksamkeit der Europäer auf sich zogen, während die anderen im Osten blieben und immer noch ignoriert werden, und vielleicht die meisten der Merkmale verloren haben, die es ermöglichen, sie zu identifizieren, Eigenschaften, die die Roma in einem akzeptablen Maß beibehalten haben.

Was Wissenschaftler nicht berücksichtigen, wenn sie das Thema des Ursprungs der Roma studieren, ist die ethnische Komplexität Indiens in dieser Periode, und sie nehmen an, daß es ein beinahe mono-ethnisches, monolithisches arisches Volk war, eine trügerische Annahme, die in ihrer Forschungsarbeit definitiv irreführend ist. Tatsächlich lag die strikt arische Region südöstlich von Uttar Pradesh und östlich von Rajasthan-Gujarat, während die Regionen und Länder westlich von ihnen von skythisch-sarmatischen, iranischen und sogar griechischen Völkern bewohnt wurden, plus den israelitischen Exilanten. Eine allgemeine Erforschung der Völker und Stämme, die vom nordwestlichen Gebiet des indischen Subkontinents bis zur iranischen Region wohnten, enthüllt, daß fast alle von ihnen, wenn nicht alle, in ihren Traditionen den Glauben bewahren, daß sie aus dem Westen kamen, und für gewöhnlich ihre Einwanderung entweder mit den exilierten Israeliten oder den Kontingenten in Verbindung bringen, die von Alexander dem Großen in dieses Gebiet gebracht wurden. Manche paschtunische Clans sowie die meisten Stämme der Kaschmiri behaupten eine israelitische Abstammung und führen den Ursprung ihren Familie sogar auf König Shaul zurück; eine ähnliche Tradition existiert unter den Kalash von Nuristan, die in vieler Hinsicht an das Roma-Volk erinnern. Die assyrisch-hebräischen Exilanten fanden unter den skythisch-sarmatischen Völkern eine größere Toleranz als unter irgendeinem anderen, und ihre Länder wurden gegenüber jenen der viel intoleranteren Arier bevorzugt. Dasselbe geschah mit ihren jüdischen Brüdern. Es ist eine bedeutsame Tatsache, daß der Großteil von ihnen, den Juden und Roma, viele Jahrhunderte lang eine sichere Zuflucht im skythisch-sarmatischen Europa fanden; tatsächlich ist das Zentrum beider Kulturen Osteuropa gewesen, besonders Ungarn und Rußland. Die Sprache Romanes wäre buchstäblich verschwunden, wenn Roma nicht in jenen Ländern gewohnt hätten, da es eine bewiesene Tatsache ist, daß die Grammatik und ein beträchtlicher Teil des ursprünglichen Vokabulars von Romanes in Mittel- und Westeuropa aufgrund von Verfolgungen und des Verbots des offenen Ausdrucks der Roma-Kultur verlorengegangen sind, in gleicher Weise, wie den Juden verboten wurde, ihr eigenes Judentum zu praktizieren – ohne zu vergessen, was es für Roma bedeuten würde, nach der Shoah/Porhaymós als „arisch“ bezeichnet zu werden… Der Aufenthalt beider Völker in Osteuropa hat sogar einige der Merkmale hinsichtlich der Kleidung bestimmt; tatsächlich gehört die heutige typische Kombination aus Anzug und Hut, die von den meisten orthodoxen aschkenasischen Juden getragen wird, zu den polnischen und baltischen Notabeln des späten Mittelalters und der nachfolgenden Zeit und unterscheidet sich nicht so sehr von den Anzügen und Hüten, die von Männern der „orthodoxesten“ Roma-Gruppen getragen werden. Neben der Kleidung haben Roma-Männer für gewöhnlich Koteletten, ein akzeptabler Ersatz für den jüdischen „pe’ot“ [ Schläfenlocken, hebräisch: Peot, wörtl. Ecken, in aschkenasischer Aussprache PejesPajes oder Pajess, auch Beikeles oder Bejkeles].

Prämissen für eine Hypothese

  • Spirituelle und kulturelle Merkmale der Roma stimmen ausschließlich mit alten hebräischen Merkmalen überein;
  • die in der Roma-Gesellschaft vorhandenen Elemente der Feueranbetung deuten darauf hin, daß die Roma sich lange genug in Persien aufhielten, um sie zu übernehmen, und zwangsläufig vor der islamischen Herrschaft, das bedeutet, bevor sie in Indien ankamen;
  • Überreste einiger früher skythisch-sarmatischer Rudimente in den Bräuchen der Roma sind die einzigen Spuren ihres Aufenthaltes in Indien (neben der Sprache) und enthüllen, daß sie in der nicht-arischen Region Indiens siedelten; solche Elemente gehören zu dieser Periode und keiner späteren, denn die skythisch-sarmatische Kultur war großteils von den slawischen und magyarischen Zivilisationen absorbiert worden, als Roma in Osteuropa ankamen;
  • Betreffend die Sprache ist es sehr wahrscheinlich, daß die Roma bereits eine indische Sprache sprachen, bevor sie den Subkontinent erreichten, und daß solch eine Sprache die hurritische war, die während ihrer ersten Jahrhunderte des Exils im Land Mitanni übernommen wurde.

Die Fakten

Es gibt unbestreitbare Tatsachen hinsichtlich des Roma-Volkes, die den Schlüssel für die Entdeckung ihres wahren Ursprungs liefern und es ermöglichen, einen plausiblen historischen Weg auszuarbeiten. Hier beabsichtige ich, einige davon darzulegen.

Der Glaube

Der Glaube der Roma weist die folgenden Charakteristika auf:

  • Strikter Monotheismus, ohne die geringste Spur irgendeiner angeblichen früheren polytheistischen oder pantheistischen Religion.
  • Der sehr persönliche Charakter Gottes, der zugänglich ist und mit dem es möglich ist, eine Diskussion zu haben (hebräische Auffassung) – nicht unnahbar wie Allah und auch nicht relativ zugänglich wie im christlichen Glauben, der für gewöhnlich einen Vermittler für einen persönlichen Kontakt mit Ihm benötigt.
  • Die Existenz einer spirituellen Welt, die aus reinen und unreinen Geistern besteht (hebräische Auffassung), die das Gute und das Böse repräsentieren, die einander bekämpfen – dies ist ebenfalls ursprünglich hebräisch, aber mit einem deutlichen zoroastrischen Einfluß, der ein typisches Ergebnis des assyrisch-babylonisch-persischen Exils ist und sich in derselben Weise entwickelte wie der kabbalistische Judaismus, was eine zeitgleiche Evolution der Roma-Spiritualität und des mystischen Judaismus innerhalb desselben Umfelds zeigt.
  • Der Glaube an den Tod als definitiven Übergang in die spirituelle Welt (hebräisch). Nicht die geringsten Spur irgeneiner Vorstellung von Wiedergeburt.
  • Die tote Person ist während ihrer Reise in das Reich der Seelen unrein (hebräisches Konzept), und alle Gegenstände, die mit ihrem Tod verbunden sind, sowie auch ihre Verwandten während der Zeit der Trauer (hebräisches Konzept). Weitere Details unter dem nächsten Thema „marimé“.
  • Das Ziel der Roma nach dem Tod ist das Paradies, während Gadje nur erlöst werden und das Paradies verdienen, wenn sie gut zu Roma gewesen sind – identisch mit dem jüdischen Konzept der „Gerechten unter den Goyim“.

Diese Glaubensmuster gehen über jede „offizielle“ Religion hinaus, zu der die Roma sich bekennen mögen. Es gibt für gewöhnlich zusätzliche Merkmale und Rituale, die zu ihrem angenommenen Glauben gehören und die sie in malerischer Weise ausdrücken und mit großem Respekt beachten, zum Beispiel das „pomana“, eine orthodoxe Praxis, oder andere Zeremonien. Es gibt auch ergänzende Elemente einer ziemlich abergläubischen Natur, die alle mit der Feueranbetung des alten Persiens verbunden sind. Manche davon werden als für ihre eigene Gesellschaft gültig betrachtet, wie dauerhaft ein Feuer im Haus entzündet zu haben, Tag und Nacht, Winter und Sommer (eine Tradition, die von den konservativsten Familien immer noch eingehalten wird, während sie sich im Allgemeinen zu einem „symbolischen“ Feuer wie das Fernsehgerät entwickelt, das immer eingeschaltet ist, auch wenn niemand wirklich zusieht). Andere Bräuche werden nur nach außen praktiziert, wie Wahrsagerei, Handlesen, Tarot etc., an deren Macht Roma nicht glauben, sondern die sie benutzen, um etwas Profit von den Gadje zu beziehen. Dies ist von den altpersischen Magern und Alchemisten gelernt worden.

Es gibt fundierte Gründe zu glauben, daß die Roma seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert Christen waren, das heißt, bevor sie in Indien ankamen oder während der ersten Zeit ihres Aufenthalts dort, und das ist der Grund, warum sie kein hinduistisches Konzept in ihre religiöse Auffassung übernahmen. Es scheint, daß die Roma sehr gut Bescheid wußten, woraus das Christentum bestand, als sie nach Europa kamen, obwohl sie keine Möglichkeit gehabt hatten, jemals die Bibel zu lesen. Es gibt etwas Mysteriöses in der Roma-Spiritualität, die sie in den letzten Jahrzehnten zu einer echten Annäherung an die evangelikalen Bewegungen geführt hat (die Form des Christentums, die dem Judaismus näher ist, ohne Heilige und Bilderverehrung), und neuerdings zu einem weiteren Schritt hin zum messianischen Judaismus. Es gibt kein anderes Volk auf der Welt, das solch eine massive Zahl von Konversionen in solch kurzer Zeit erlebt hat. Interessant ist, daß dieses Phänomen nicht das Ergebnis von Missionierungsarbeit ist, sondern von spontanem, autonomem Willen (tatsächlich hätten Gadje es kaum gewagt, „Zigeuner“ zu evangelisieren, sie sich laut ihren vorurteilsbehafteten Ansichten okkulten Künsten und der Hexerei widmeten). Gegen alle Wahrscheinlichkeit erfuhren Roma aus verschiedenen Ländern zu ungefähr derselben Zeit, ohne Verbindung zueinander, Konversionen und begannen die Bibel zu lesen. Nun wird die Missionierungstätigkeit unter Roma und Sinti von ihnen selbst weitergeführt. Dies könnte man erklären, indem man versteht, daß es ein atavistisches Erbe gibt, welches ein einzigartiges Merkmal der Roma-Spiritualität ist. Die meisten Roma geben nun die ererbten feueranbetenden Elemente und die von der Thora verbotenen Praktiken auf, wie Pomana, Wahrsagerei und andere damit verbundene Dinge.

Eine plausible Mutmaßung (wohlgemerkt: eine Mutmaßung) ist, daß ihre erste Annäherung an den christlichen Glauben mit den biblischen Magern verbunden sein könnten, die das Kind Yeshua von Natzaret anbeteten [Anm. d. Ü.: damit dürften die Heiligen Drei Könige gemeint sein]; offenkundig waren sie keine persischen Feueranbeter, sondern Menschen, die auf die Verheißung eines Messias für Israel hofften, also Israeliten des nördlichen Königreichs, die zu der Zeit voll in den zoroastrischen Kult eingetaucht waren und doch auf die Erlösung ihres Volkes warteten. Historische Darstellungen berichten, daß im ersten nachchristlichen Jahrhundert massive Bekehrungen in Assyrien stattfanden, wohin die Apostel gingen, um die „verlorenen Schafe“ des Hauses Israel zu retten, da viele sich immer noch in dieser Region befanden. Manche der Apostel erreichten Indien auf der Suche nach ihnen. Eine seltsame Tatsache ist, daß die jüngst entdeckten Israeliten Indiens fast alle Christen waren, keine Hindus oder etwas anderes. Das völlige Fehlen von Hindu-Elementen in der Roma-Spiritualität muß etwas bedeuten.

Die rituellen Reinheitsgesetze, „marimé“

Das Roma-Konzept des „marimé“ ist gleich der negativen Form des jüdischen Konzepts „koscher“, Ersteres zeigt rituelle Unreinheit an, während Zweiteres sich auf rituelle Reinheit bezieht. Abgesehen von diesem Unterschied des Blickpunktes ist die Essenz dasselbe (es ist wie zu sagen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist). Was für einen Rom marimé ist, ist für einen Juden nicht koscher, daher werden sie beide die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um durch solche Dinge nicht beschmutzt zu werden, oder falls sie eine notwendige, unvermeidliche Kontaminierung sind, dann werden beide bestimmte Regeln befolgen, um gereinigt zu werden. In gleicher Weise wie die jüdische Kaschrut sind die Regeln für das marimé ein fundamentaler Wert in der Roma-Gesellschaft, der die Verhaltensgrenzen innerhalb ihres sozialen und spirituellen Bereichs festlegt und ihre Beziehung zur Außenwelt (der Gadje-Gesellschaft) konditionieren.

Roma klassifizieren alles in zwei Kategorien: „vuzhó“ (koscher, rein) oder „marimé“ (unrein). Solch eine Klassifizierung betrifft hauptsächlich den menschlichen Körper, erstreckt sich aber auch auf den spirituellen Bereich, das Haus oder Lager, Tiere und Dinge.

  • Der menschliche Körper: die Regeln betreffend die menschlichen Körperteile, die als unrein zu betrachten sind, sind genau dieselben, die wir in der mosaischen Torah finden (Leviticus, Kapitel 15). An erster Stelle die Geschlechtsorgane, nachdem sie die unreine Entladung aus dem inneren Körper befördern, und der untere Teil des Körpers, weil er unterhalb der Genitalien liegt. Der obere äußere Teil des Körpers ist rein, und vor allem der Mund. Die Hände stellen einen Übergang dar, nachdem sie sowohl reine als auch unreine Handlungen durchzuführen haben, daher müssen sie auf besondere Weise gewaschen werden, zum Beispiel wenn jemand essen muß, nachdem er sich die Schuhe angezogen hat oder aus dem Bett erwacht ist (das Bett ist unrein, nachdem es Kontakt mit dem Unterleib hat). Wenn die Hände beschmutzt worden sind, sollten sie mit einer separaten Seife gewaschen und mit einem separaten Handtuch abgetrocknet werden, um sie rein zu machen. Verschiedene Seifen und Handtücher werden immer für den oberen und den unteren Körper benutzt, und sie dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht werden.
  • Kleider: sie sind genau unterschieden, nachdem sie getrennt gewaschen werden müssen, in separaten Gefäßen, die jeder Kategorie zugeordnet sind. Unreine Kleider müssen immer im marimé-Becken gewaschen werden, und reine Kleider sind immer noch von den Tischtüchern und Servietten getrennt, die ihr eigenes Waschgefäß haben. Kleider für den Oberkörper und Kinderkleider werden im vuzhó-Becken gewaschen, Kleider für den Unterkörper im marimé-Becken. Alle Kleider der Frau sind während ihrer Menstruation unrein und werden mit den marimé-Sachen gewaschen. Die einzigen Menschen außer den Roma, die diese Waschregeln anwenden, sind Juden.
  • Das Lager: vor der in neuerer Zeit erzwungenen Urbanisierung war das Roma-Heim das Lager statt des Hauses. Das Lager genießt den Status der territorialen Reinheit, wegen der die physiologischen „Geschäfte“ außerhalb seiner Nähe verrichtet werden (oder schließlich werden die hygienischen Dienste nach außerhalb des Lagers verlegt); dies ist ein jüdisches Gesetz (Deuteronomium 23:12). Auch sollte Müll in akzeptabler Entfernung vom Lager weggeworfen werden.
  • Geburt: Das Gebären von Kindern ist ein unreines Ereignis und sollte in einem isolierten Zelt außerhalb des Lagers stattfinden, wenn möglich. Nachdem das Kind geboren wurde, wird die Mutter vierzig Tage lang als unrein betrachtet, hauptsächlich in der ersten Woche: diese Regel ist einzigartig für die mosaische Thora – Leviticus 12:2-4. Während dieser Zeit darf die Frau nicht mit reinen Gegenständen in Berührung kommen oder irgendeine übliche Tätigkeit wie Kochen ausführen, oder überhaupt in der Öffentlichkeit erscheinen, hauptsächlich in Anwesenheit der Älteren; sie darf an keinem Gottesdienst teilnehmen. Besondere Teller, Tassen und Bestecke werden ihr zugewiesen, die weggeworfen werden, nachdem die 40 Tage ihrer Reinigung vorbei sind, die Kleider, die sie trug, und ihr Bett werden verbrannt, wie auch das Zelt oder der Wohnanhänger, wo sie während dieser 40 Tage untergebracht war. Dieses Gesetz ist jedem Volk unbekannt außer den Roma und Juden.
  • Tod: so wie im jüdischen Gesetz vermittelt der Tod von jemandem Unreinheit für jeden und alles, der oder das in diesem Moment mit dieser Person zu tun hatte. Alle im Haus des Toten vorhandenen Lebensmittel sollten weggeworfen werden, und die ganze Familie ist drei Tage lang unrein. Besondere Regeln sind während dieser drei Tage einzuhalten, wie sich nur mit Wasser zu waschen, um keinen Schaum zu erzeugen; sich zu kämmen oder zu rasieren ist verboten, genauso wie Weinen, Löcher zu machen, zu schreiben oder zu malen, Fotos aufzunehmen und viele andere Dinge. Spiegel werden verhüllt. Das Lager, wo der Tod stattfand, wird anderswohin verlegt, oder das Haus wird verkauft. Man glaubt, daß die Seele des Toten während dreier Tage der Reinigung wandert, bevor sie ihren finalen Aufenthaltsort erreicht: dies steht nicht in den hebräischen Schriften, aber es ist dennoch eine gängige Idee in manchen mystischen judaistischen Strömungen. Die Vorstellung, daß Kontakt mit einer Leiche Unreinheit bringt, findet man in keiner antiken Tradition außer in der jüdischen Bibel (Leviticus 21:1). Wie es das jüdische Gesetz festlegt, sollte auch unter den Roma der Tote begraben werden und darf nicht verbrannt werden.
  • Dinge: diese können von Natur aus oder durch Gebrauch marimé sein oder durch zufällige Umstände beschmutzt werden. Was immer vom unteren Körper berührt wird, ist unrein, wie Schuhe, Stühle etc., während Tische rein sind. Die Regeln betreffend diese Gesetze sind in Leviticus 15 und anderen hebräischen Schriften beschrieben.
  • Tiere: Roma betrachten Tiere als rein oder unrein, auch wenn die Muster, nach denen sie eingestuft werden, sich von den jüdischen unterscheiden. Zum Beispiel sind Hunde und Katzen marimé, weil sie sich ablecken, Pferde, Esel und alle Tiere, die zum Reiten benutzt werden, sind unrein, weil Menschen auf ihnen sitzen, und so weiter. Unreine Tiere dürfen nicht gegessen werden.
  • Geister: die bösen Geister sind marimé, was auch ein jüdisches Konzept ist.

Ehegesetze

Verlobung und Heirat unter Roma werden in gleicher Weise gefeiert wie im alten Israel. Die Eltern beider Partner spielen eine wesentliche Rolle beim Arrangieren der Mitgift für die Braut, und die Feier wird innerhalb der Roma-Gemeinschaft abgehalten, ohne jegliche Teilnahme von Gadje-Institutionen. In dem Fall, wo das Mädchen ohne Einwilligung ihrer Eltern mit ihrem Verlobten wegläuft, werden sie als verheiratetes Paar betrachtet, aber die Familie des Ehemannes muß den Eltern der Frau eine Entschädigung zahlen, die üblicherweise dem Doppelten der Mitgift entspricht; diese Entschädigung wird „kepara“ genannt, ein Wort, das dieselbe Bedeutung wie der hebräische Begriff „kfar“ hat (Deuteronomium 22:28-29). Die Zahlung der Mitgift durch die Familie des männlichen Partners an die Eltern der Frau ist eine biblische Regel, genau das Gegenteil zu den indischen Völkern, bei denen es die Familie der Braut ist, die an jene des Ehemannes zahlt.

Es gibt eine besondere Vorschrift, die beachtet werden muß, um die Ehe zu konsolidieren, das „Jungfräulichkeitsbeweistuch“, das der gesamten Gemeinschaft nach dem ersten Geschlechtsverkehr gezeigt werden sollte – dies ist eine Regel, die man in der Thora, Deuteronomium 22:15-17 findet. Natürlich ist diese Regel im Fall davonlaufender Paare bedeutungslos und wird folglich nicht beachtet.

Sozialverhalten

Wie Juden nehmen Roma verschiedene Verhaltensmaßstäbe für die Beziehungen mit ihren eigenen Leuten und für die Interaktion mit Außenseitern an, daher können wir mit Sicherheit sagen, daß der Gegensatz Roma/Gadje und Juden/Goyim in recht ähnlicher Weise geregelt und vielleicht in fast allen Details identisch ist.

Nachdem die Gadje die Regeln nicht kennen, die das marimé regulieren, wird vermutet oder einfach angenommen, daß sie unrein sind, folglich würden Roma nicht in Gadje-Häusern wohnen und nicht mit Gadje essen; manche Roma betreten nicht einmal ein Haus eines Gadje – denselben Brauch findet man im alten Israel, und er wird von orthodoxen Juden immer noch praktiziert. Gadje, die zu Freunden von Roma werden, werden eingelassen, sobald sie über die hauptsächlichen Regeln Bescheid wissen, die sie beachten sollten, um die Gemeinschaft nicht zu beleidigen, und nachdem sie ein paar „Zuverlässigkeitstests“ bestanden haben. Ansonsten werden Gadje-Insitutionen als „Freihandelszone“ betrachtet, wo unreine Aktivitäten sicher durchgeführt werden können – ein typisches Beispiel ist ein Krankenhaus, wo man kein besonderes Zelt für das Kindergebären aufzustellen braucht.

Höflichkeit, Respekt und Gastfreundschaft sind innerhalb der Roma Pflicht. Wenn sie einander grüßen, sollten sie einander nach der Familie fragen und allen Mitgliedern Gutes und Segen wünschen, selbst wenn sie einander zum ersten Mal begegnen und die Familie des jeweils anderen nicht kennen. Wenn man sich vorstellt, gehören dazu die Namen der Eltern, der Großeltern und so viele Generationen, wie man sich erinnert – amtlicher Name und Nachname sind irrelevant: Roma werden genannt wie im alten Israel, A, Sohn von B, Sohn von C aus der Familie der Ds. Dies ist jedoch ein häufiges Merkmal vieler östlicher Völker, aber die Art, wie Roma diese Begriffe formulieren, ist recht biblisch.

Rechtsangelegenheiten unter Roma werden der Versammlung der Ältesten vorgelegt, genau nach dem mosaischen Gesetz. Diese Ältestenversammlung der Roma wird „kris“ genannt und ist ein echter Gerichtshof, dessen Urteilen man gehorchen sollte, andernfalls die ungehorsame Partei aus der Roma-Gemeinschaft verbannt würde. Die Fälle sind für gewöhnlich nicht so schwerwiegend, daß sie nicht durch Bezahlung einer Wiedergutmachung gelöst werden können, wie es durch die Thora geregelt ist (Exodus 21:22; 22:9; Deuteronomium 22:16-19).

Es gibt viele andere Aspekte, die von zweitrangiger Bedeutung sein mögen, aber jedenfalls an die Bräuche und Regeln der alten Israeliten erinnern. Leider gehen solche Details mit neuen Generationen verloren (so wie viele auch unter Juden verlorengegangen sind), weil moderne Gesellschaftssysteme die individuelle Freiheit und jene „exotischer“ Gemeinschaften einschränken. Doch die Gefühle und Tendenzen der Roma sind zu berücksichtigen, da sie einem angestammten psychologischen Erbe entsprechen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde, in einer unbewußten Weise, die aber an die wahren Ursprünge erinnert. Zum Beispiel empfinden Roma überhaupt keine Hingezogenheit zur indischen Kultur oder Musik (außerdem haben Roma-Frauen eine tiefe Stimme, im Gegensatz zu den indischen Sängerinnen, ein Detail, das unbedeutend sein mag, aber vielleicht auch nicht), während sie immer nahöstliche Musik bevorzugt haben. In Osteuropa sind die meisten Volksausdrucksweisen entweder jüdisch oder zigeunerisch, und viele Male wird dasselbe Werk der einen oder anderen dieser beiden Traditionen zugeschrieben. „Klezmorim“-Bands setzten sich oft aus Roma gemeinsam mit Juden zusammen, und der europäische Jazzstil ist von Roma wie auch von Juden gepflegt worden. Flamenco enstand wahrscheinlich unter sephardischen Juden, bevor sie aus Spanien vertrieben wurden, und wurde später von Roma entwickelt, die in jenem Land verblieben. In anderer Hinsicht haben Roma ein großes kommerzielles Geschick (und wenn sie in einer Partnerschaft arbeiten müssen, werden Juden bevorzugt), und diejenigen, die sich für eine berufliche Eingliederung in die Gadje-Gesellschaft entscheiden, bevorzugen für gewöhnlich dieselben Karrieren, die von Juden gewählt werden (vielleicht in Verbindung mit den Reinheitsgesetzen, die nicht die Ausführung von jeder Art von Arbeit erlauben). Zuletzt treffen Roma eine Unterscheidung zwischen gewöhnlichen „Gadje“ und Juden, die nicht als volle Gadje betrachtet werden, sondern als eine Zwischenkategorie, die die Reinheitsgesetze beachtet und folglich nicht dem marimé-Verdacht ausgesetzt sind.

Siehe auch: Romany Law.

Konklusion:

Dieser kurze Essay beabsichtigt, die Prinzipien festzulegen, auf denen eine neue, genaue und seriöse Erforschung der Ursprünge der Sinti und Roma begründet sein sollten, statt auf dem Beharren darauf, mit einem nur linguistischen und irreführenden Trend weiterzumachen. Die vorgelegten Fakten schließen nicht aus, daß Roma wirklich in Kannauj oder irgendwo sonst in Indien gewohnt haben, obwohl das Industal das geeignetste Land für ihren Aufenthalt auf dem Subkontinent zu sein scheint, zeigen aber, daß die Roma nicht dem indischen (und überhaupt nicht dem arischen) Hintergrund angehören, sondern einem semitischen und genauer einem hebräischen Ursprung. Israelitische Gruppen waren in ganz Indien zahlreich, und es ist möglich gewesen, manche von ihnen wiederzuentdecken, indem man die linguistische Spur beiseite legte (weil sie alle indische Sprachen sprachen) und die Forschung auf einige kulturelle Hinweise konzentrierte, die den wahren Ursprung enthüllten. Solche Hinweise sind bis jetzt weniger relevant als jene, die wir jetzt in der Roma-Kultur finden können, und doch haben sie genügt, um die israelitische Abstammung festzustellen.

Siehe Map of Migrations of Peoples from Mesopotamia to India [Anm. d. Ü.: die konnte ich wegen der Copyrightsperre nicht für eine Einfügung hier kopieren.]

Weiterer Lesestoff

Eine genaue Erforschung der historischen Entwicklung der Fakten zeigt, daß die Theorie vom Ursprung in Kannauj unhaltbar ist. Die Darstellungen der ghaznavidischen Eroberung bezeugen unglaubliche Zahlen von Gefangenen und unvorstellbare Grausamkeit: sobald alle in Kannauj gefangengenommenen Soldaten getötet waren, wurden Hunderttausende von Gefangenen gefesselt, geschwächt, erniedrigt, zur Konvertierung gezwungen und auf den Sklavenmärkten verkauft. Es soll in diesem Essay keine detaillierte Beschreibung jener Terrorfeldzüge abgegeben werden. Manche Theoretiker spekulieren, daß der Ursprung der Roma in diesen Massendeportationen zu finden sein könnte: es ist ziemlich schwierig, sich vorzustellen, daß jene Gefangenen, die als Sklaven verkauft, im ganzen Reich verstreut und gezwungen wurden, Moslems zu werden, jemals die Möglichkeit gefunden haben könnten, als organisierte Gruppe von Menschen mit einer gemeinsamen Sprache und Kultur zu fliehen, ohne eine Spur von Islamisierung und mit einem wohldefinierten Ziel: die christlichen Länder im Westen zu erreichen. Solch eine Hypothese klingt recht unmöglich, wenn man die systematische Vernichtung der Persönlichkeit bedenkt, die von den ghaznavidischen Unterdrückern an den Gefangenen durchgeführt wurde.

Die korrekte Reihenfolge der ethnischen, sozialen, kulturellen und religiösen Merkmale, die über die Jahrhunderte Erfolg hatten, die in der Chronologie des Industales betrachtet werden, liefert einen Schlüssel für das Verständnis der Herkunft dieses Volkes und der Gründe ihres Exodus in den Westen. Wir haben genug Elemente zur Stützung der Hypothese, daß die Ursache für den Exodus der Roma hauptsächlich religiöser Natur waren, nicht nach den moslemischen Invasionen, sondern während des Aufstiegs der hinduistischen Hegemonie in der Rajput-Ära. Die frühen Berichte über die Ankunft der Roma in Europa sind tatsächlich mit religiöser statt ethnischer Indentität verbunden: ob behauptet oder wahr, die verschiedenen Gründe, die von den Roma für die Erlaubnis zur Überquerung der Grenzen angegeben wurden, waren Pilgerfahrt, Verfolgung oder andere ähnliche Behauptungen, und sie haben sich ganz von Anfang an immer als Christen identifiziert.

Der Nazarenerglaube kam im Industal während des 1. Jahrunderts n. Chr. an. Laut den spärlichen Dokumenten, die überlebten, wurde dieser Glaube zuerst von den exilierten Israeliten angenommen, die seit mindestens dem 4. vorchristlichen Jahrhundert in Indien anwesend waren. Obwohl manche Traditionen nicht als wahre Fakten ernstgenommen werden sollten, bis die Ereignisse, die sie behaupten, historisch bewiesen sind, verdient die Darstellung zumindest bis zu dem Grad geglaubt zu werden, in dem es die Beweise ermöglichen. Einer der antiken literarischen Texte, der als Legende betrachtet wurde, ist das apokryphe Buch der Taten des Thomas, das in Kapitel 17 verzeichnet, daß der Apostel Toma den Hof des Königs Gondapharna im Pandschab besuchte. Der Historiker Eusebius von Caesarea erwähnt in Historia Ecclesiastica, III.1 Toma als den Apostel, der in das Königreich der Parther geschickt wurde. Gondapharna ist von Historikern nur als legendäre Gestalt betrachtet worden, bis seine Existenz im Jahr 1872 verifiziert wurde, und die Periode, in der er regierte, wurde dank einer Inschrift bestimmt, die mit seinem 26. Regierungsjahr datiert war, welches das Jahr 47 n. Chr. war. Laut dieser Entdeckung und weiterer Forschungen ist es unvermeidlich anzuerkennen, daß der Autor der Taten des Thomas mit den zeitgenössischen Quellen wohlvertraut war, da Schriftsteller einer späteren Periode den Namen des Königs nicht hätten kennen können.

Nach dieser ersten Annäherung des frühen Christentums an das Industal betrieben assyrische Missionare eine ausgedehnte Evangelisierungsarbeit auf dem gesamten Kontinent durch, wie auch andere Emissäre, die die [Apostel-] Briefe weitergaben, die auf Griechisch geschriebenen waren, das zur gemeinsamen Sprache der Christen in all den Ländern wurde, die ehemals von Alexanders Ländern erreicht wurden, und die von hellenisierten Völkern weithin benutzt wurde.

An dieser Stelle können wir auf der Suche nach einem Hinweis zur Erkennung des frühen religiösen Glaubens der Roma, als sie immer noch im Exil im Industal waren, auf die Roma-Sprache zurückgreifen. Einer der Begriffe, die kein Wissenschaftler in befriedigender Weise erklären können hat, ist das Ethnonym dieses Volkes: „Rom“. Manche spekulative Theorien sind formuliert worden, um irgendeinen Sanskrit-Ursprung dieses Wortes zu finden, aber ohne überzeugendes Ergebnis. Statt einer ethnischen Bezeichnung könnte dieser Begriff eine religiöse Identität gewesen sein: Ρωμαίοι (Romaioi), nämlich Christen.

Ein zweites wichtiges Romanes-Wort, das zu derselben Schlußfolgerung führt, ist khangheri, das heute als „Kirche“ übersetzt wird. Tatsächlich zeigt dieser Begriff spezifisch entweder eine Synagoge oder einen christlichen Tempel an keine andere. Warum hat die Roma-Sprache dieses Wort für eine Gebetsstätte, und keinen Sanskrit-Begriff, der entweder „hinduistischer Tempel“ oder „buddhistische Stupa“ bedeutet. Warum gibt es nicht einmal einen Romanes-Begriff, der „Moschee“ bedeutet?

Der Schauplatz, auf dem der Roma-Exodus stattfand, ist besser verständlich, wenn wir den Beginn der brahmanischen Unterdrückung und der erzwungenen Eingliederung in das Kastensystem als den Grund für eine organisierte Menschengruppe mit eigener Kultur, Gesetzen und religiösen Mustern betrachten, in eine definierte Richtung auszuwandern: die christlichen Königreiche im Westen.

Es ist auch vernünftig, diese Migration vor die moslemischen Invasionen zu verlegen: es war beinahe unmöglich, daß Menschen, die versklavt und zum Konvertieren gezwungen wurden, es geschafft haben konnten, innerhalb eines kurzen Zeitraums zu entkommen, sodaß sie keinen arabischen oder türkischen Begriff in ihrer Sprache behielten, noch irgendeinen Brauch oder ein anderes Kulturmerkmal (der türkische Einfluß auf die Roma-Gruppen des Balkans fand statt, nachdem sie bereits in Europa waren, während der osmanischen Herrschaft, nachdem der Balkan und Anatolien römisch-byzantinische Domänen waren, als die Roma in Europa ankamen). Roma blieben in Anatolien, solange die Region unter christlicher Herrschaft war, bevor sie nach Europa kamen.

Als die Roma beschlossen, das Land zu verlassen, in dem sie jahrhundertelang gewohnt hatten, hatten sie ein definiertes Ziel: der christliche Bereich im Westen. Sie zogen hastig weg und beeilten sich, die Länder zu erreichen, zu denen sie unterwegs waren, ohne lange in den Ländern zu bleiben, die sie auf ihrem Weg fanden. Die einzigartigen Merkmale des Roma-Gesetzes liefern viele Schlüssel für die Kenntnis der Gründe solch eines Exodus. Sie waren ein separates Volk, das eine uralte semitische Tradition hatte und tief vom zoroastrischen Mystizismus und vom skythischen Lebensstil beeinflußt war – sie hatten wahrscheinlich auch ein gewisses Maß an Mischehen mit ihren skythischen Nachbarn gehabt.

Bald nachdem diese Webseite veröffentlicht wurde (siehe die Hauptseite), reagierten manche Unterstützer des „Mythos vom indischen Ursprung“ mit Mißfallen, doch ohne irgendeinen Beweis für die Unterstützung ihrer dahinschwindenden Theorie zu liefern.

Es ist wohlbekannt, daß die angesehensten Wissenschaftler im Mittelalter glaubten, daß die Erde flach sei, mit der unzweifelhaften Unterstützung des anscheinenden Beweises, daß sie tatsächlich flach ist, nachdem wir auf ihr stehen. Wer meinte, daß sie rund sei, wurde zum Verbrennen auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Nun würden sogenannte Gelehrte der Theorie vom „indischen Ursprung“ mich ebenfalls bereitwillig auf dem Scheiterhaufen verbrennen, nachdem ich ihren Mythos zerstört habe und sie keine Beweise gegen die hier vorgelegten haben. [Einschub des Übersetzers: Wie ich in diesem und diesem Kommentar zu meinem Artikel „Kosmos, Kabbala du Käse“ darlege, ist diese Vorstellung vom angeblichen mittelalterlichen Glauben an die flache Erde samt dessen kirchlicher Durchsetzung offenbar selbst ein Mythos, der zur Zeit der Aufklärung in Umlauf gebracht wurde, um sich gegenüber dem Mittelalter als so viel fortschrittlicher darzustellen.]

Bisher sind die Leute, die über den Ursprung der Roma theoretisierten, in großer Mehrheit Gadje (Nicht-Roma), und es ist für sie unmöglich, die Roma-Kultur intim zu kennen. Es ist dasselbe, als würde ein herausragender Bibelgelehrter die Essenz des Judaismus erklären, ohne selbst ein Jude zu sein – egal wie tief diese Person die hebräische Sprache und die Thora kennt, die Kabbala und den Talmud, so könnte er niemals in der Lage sein, die innersten jüdischen Gefühle und Spiritualität darzulegen – zumindest nicht als Nichtjude.

Die wenigen davon, die Roma sind, sind sehr säkularisiert und sind einfach dem von den Theorien der Gadje-Wissenschaftler gesetzten Trend gefolgt, ohne irgendwelche tieferen Recherchen innerhalb ihrer eigenen Herkunftskultur durchzuführen. Die Tatsache, daß es Roma gibt, die den „Mythos vom indischen Ursprung“ unterstützen, bedeutet nicht, daß solch eine Theorie glaubwürdig ist, in gleicher Weise, wie die Tatsache, daß Karl Marx ein Jude war, ihn nicht zu einer Autorität bezüglich des Judaismus macht. Ein psychotischer Romanautor namens Koestler war ebenfalls ein Jude und erfand die Legende, daß sein eigenes Volk nicht semitisch sei, sondern türkisch, eine Theorie, die bald von allen Antisemiten akzeptiert wurde. Doch seine Theorie wurde als irrig bewiesen, obwohl es ein Jude war, der sie formulierte. Daher lade ich die Roma, die im Grunde ein bescheidenes Volk sind, dazu sein, nicht der pseudo-intellektualistischen Mode zu folgen, sondern innerhalb ihrer eigenen kulturellen Wurzeln Nachforschungen zu treiben, die sie sicherlich nicht nach Indien führen werden, sondern anderswohin.

Der irreführende Faktor

Wie bereits in diesem Essay gesagt worden ist, ist die ganze Hypothese hinsichtlich des angeblichen indoeuropäischen Volkstums der Roma auf einer einzigen Sache begründet: der Roma-Sprache. Obwohl die Klassifizierung von Völkern nach ihrer Sprachfamilie aufgegeben worden ist, folgen die Unterstützer des Mythos vom indischen Ursprung immer noch dieser irreführenden Spur und weigern sich, auf den neuesten Stand gebracht zu werden – sie beharren immer noch auf der Unterstützung der Formel „Sprache = Ethnizität“. Hier präsentieren wir einige Beispiele, um zu zeigen, wie völlig irrig es ist, den ethnischen Ursprung nach der Sprache zuzuordnen:

Unter ungebildeten Menschen hört man oft, daß die Franzosen oder die Spanier oder die Italiener „lateinische“ Völker sind, nur weil die Sprachen, die sie sprechen, lateinischen Ursprungs sind (aus demselben Grund werden die Spanischsprachigen in den Vereinigten Staaten „Latinos“ genannt). Betrachten wir diese Sache nun ernsthaft: ein paar Menschen von unbekannter Herkunft, angeblich Trojaner, gründeten auf etruskischem Territorium ein Dorf, das sie „Roma“ nannten, und folglich wurden sie von ihren Nachbarn „Römer“ genannt. Sie sprachen Latein. Das Land, wo dieses Dorf erbaut wurde, war von verschiedenen Völkern unterschiedlicher Herkunft bewohnt: im Süden gab es Italiker (ein Komplex aus Stämmen, die vermutlich einen gemeinsamen Hintergrund hatten), Griechen, Seevölker (Philister), Sikuler, Phönizier (Kanaaniter) etc.; in der mittleren Region – wo das Dorf Rom lag – gab es Etrusker, Umbrier, Italiker, Kelten etc.; im Norden wohnten Venedi, Ligurier, Kelten etc. Es ist offensichtlich, daß diese Völker verschiedenen Ethnien angehörten und daß das heute „Italien“ genannte Land sehr heterogen war. Die Römer waren eine Art von „Kshatriyas“, die das ganze Land eroberten und ihre Sprache der gesamten Bevölkerung aufzwangen, in einer Weise, daß sie sich sogar gegenüber den Invasoren und Siedlern behauptete, die nach dem Fall des Römischen Reiches kamen: Goten, Lombarden, Heruler, Sarazenen, Normannen, Türken etc. Sie sind nun alle Italiener, ein „lateinisches“ Volk…

Die Römer machten weiter: sie eroberten Gallien, eine keltische Nation, und nachdem ihre Herrschaft vorbei war, übernahmen die Franken, ein germanisches Volk, das Land und gaben ihm ihren Namen, doch die Sprache der Römer blieb und wurde sogar von den normannischen Siedlern übernommen. Sie sind nun die Franzosen, ein „lateinisches“ Volk…

Die Römer zogen weiter westwärts über die Pyrenäen und unterwarfen ein Land, das von Tartessiern, Phöniziern, Iberern, Basken, Kelten etc. bewohnt war; sie setzten ihre Sprache in einer Weise durch, daß sogar die Goten, Vandalen, Alanen und alle anderen, die nach ihnen kamen, immer noch Sprachen sprechen, die von jener der Römer abgeleitet sind. Jene Völker sind nun Spanier, Katalanen und Portugiesen, alles „lateinische“ Völker… Sie zogen auch nordwärts über den Ärmelkanal und eroberten das keltische Großbritannien, wo sie tiefe Spuren ihrer Kultur hinterließen – aber die germanischen Invasoren, die nach ihnen kamen, übernahmen nicht die Sprache der Römer, daher bestimmte dieser Faktor, daß die Briten kein lateinisches Volk waren (während sie ethnisch und auch durch viele Traditionen viel enger mit den Römern verwandt sind als die Franzosen).

Wir wissen, daß die Römer auch nach Osten expandierten und nicht so erfolgreich waren, ihre Sprache überall durchzusetzen, außer in einem Land, das von Illyrern bewohnt war, wohin die Römer ein gemischtes Kontingent schickten, das hauptsächlich aus Italikern und einer unbedeutenden Zahl „echter“ Römer bestand. In diesem Land gab es nachfolgend Invasionen vieler verschiedener Völker wie Skythen, Goten, Sarmaten, Hunnen, Slawen, Petschenegen, Kumanen, Türken, Mongolen, Sachsen etc., und es wurde großteils durch die slawische und die griechische Kultur beeinflußt; dennoch nennt ein Teil der Population, der ostwärts in die Donauregion zog, sich stolz „Român“ und ihr Land „România“; ihre Sprache steht dem alten Latein am nächsten, trotzdem sie die einzige ist, die geographisch von allen anderen und vom römischen Gebiet selbst getrennt ist (obwohl die Rumänen nicht aus Dakien stammen – siehe „Vlach“). Außerdem hat das Rumänische in einem ganz anderen Umfeld und ohne irgendeine Verbindung eine sehr ähnliche Evolution durchgemacht wie die süditalienischen Dialekte, hauptsächlich Neapolitanisch und Salentinisch, und hat auch einige Elemente mit dem Sizilianischen und Sardinischen gemeinsam. Von allen modernen Sprachen würde ein antiker Römer wahrscheinlich Rumänisch besser verstehen als irgendeine andere. Dies bedeutet, daß die Person, die heute einen Dialog mit einem alten Römer hätte, wahrscheinlich nicht die geringste Spur von römischem Blut in ihren Adern hätte, sondern vielmehr eine kumanische oder illyrische Abstammung (da die Rumänen keine Autochthonen des alten Dakien sind, sondern zum Großteil aus der Balkanregion an der Südostküste des Adriatischen Meeres stammten).

So wie die römischen „Kshatriyas“, obwohl sie eine unbedeutende Zahl von Einwohnern eines beinahe unbekannten Dorfes in Etrurien waren, einem beträchtlichen Bereich Europas eine „lateinische“ Identität angehängt haben, haben auch die indischen (oder hurritischen) Kshatriyas genau dasselbe auf dem gesamten Subkontinent getan, dessen Bevölkerung sie unterwarfen und der sie ihre Sprache, ihre Kultur und ihr Kastensystem aufzwangen. Mit welcher Gewißheit können moderne Wissenschaftler behaupten, daß die Bevölkerung Indiens eine homogene Masse mit einem gemeinsamen Ursprung ist?

Was das moderne Rumänisch betrifft, so ist es ein gutes Beispiel für eine weitere Antwort auf einige Aussagen des Autors der Theorie vom Ursprung in Kannauj, die in dem Essay zitiert wurden.

Er sagt:

„unter allen modernen indoarischen Sprachen haben nur die Dialekte des Raumes um Kannauj, einige der Braj-Sprachen und Nepali (Nepal ist nur sechzig Meilen von Kannauj entfernt) eine Endung der männlichen Hauptwörter und Eigenschaftswörter auf ~o (oder ~au = ~o), die mit Romanes identisch ist, wo es ebenfalls ~o ist: purano ‚antik, alt‘ (andere indoarische Sprachen purana, Romanes purano), taruno‚ jung [wörtlich in Hindi]‘ (andere indoarische Sprachen taruna, Sinto tarno, Romanes terno). In Wirklichkeit unterliegt die Dialektentwicklung des häufigen ~a zu ~o recht komplizierten Regeln, die immer noch aufgeklärt werden müssen.“

Was ist mit der Tatsache, daß unter allen neulateinischen Sprachen nur Rumänisch, Sardinisch und süditalienische Dialekte eine Endung männlicher Hauptwörter auf ~u haben? Warum ist zum Beispiel der Begriff „Zunge“ im Rumänischen und Sardinischen genau gleich [„limba“], während kein anderer dazwischenliegender neulateinischer Dialekt sich in dieser Weise entwickelt hat? Stammen die Rumänen von sardinischen Soldaten ab? Die Geschichte beweist, daß es in römischer Zeit keine Beziehung zwischen diesen beiden Völkern gab, und doch sind die für beide Sprachen einzigartigen linguistischen Übereinstimmungen offenkundig.

„unter allen modernen indoarischen Sprachen präsentiert nur Awadhi (eine Sprache, die von etwa 20 Millionen Benutzern in einem großen Bereich westlich von Kannauj gesprochen wird) genau wie das Romanes eine alternative lange Form des besitzanzeigenden nachgestellten Verhältniswortes. Es gibt nicht nur eine strikte Parallele in dem Phänomen selbst, sondern die nachgestellten Verhältnisworte sind auch in der Form identisch: zusätzlich zur kurzen Form (~ka, ~ki ~ke), die allen indoarischen Sprachen gemeinsam ist, hat Awadhi eine lange Variante ~kar(a), ~keri, ~kere, genau wie viele der archaischsten Romanes-Dialekte…“

Dasselbe trifft auf das Rumänische und die Dialekte der Region um Neapel zu: unter allen neulateinischen Sprachen stellen nur diese beiden das besitzanzeigende Fürwort hinter das Hauptwort statt vor dieses und sind in der Form identisch: das typische Beispiel ist „sora ta“ (deine Schwester), das in beiden Sprachen gleich ausgesprochen und geschrieben wird – dasselbe gilt für alle besitzanzeigenden Fürwörter. Zusätzlich ist die neapolitanische Art, das „a“ auszusprechen, recht ähnlich dem rumänischen „â“. Viele andere Begriffe sind erstaunlich gleich, zum Beispiel ist das Verb „heiraten“ für einen Mann auf Rumänisch und Neapolitanisch „ânsura“, und für eine Frau ist dasselbe Verb in beiden Sprachen „marita“. Eine große Zahl von Verben und Ausdrücken ist nur in diesen beiden Regionen zu finden und nirgendwo sonst in dem weiten neulateinischen Gebiet. Wenn wir konsistent mit der Argumentation über den Mythos vom Ursprung in Kannauj oder Indien sein sollen, dann müßten wir schlußfolgern, daß die Rumänen von Menschen abstammen, die im Raum von Neapel lebten, als die örtliche Sprache im Entstehen begriffen war, aber tatsächlich entwickelte sich die rumänische Sprache am anderen Ufer des Adriatischen Meeres und hatte keine Beziehung zur Entstehung der tyrrhenisch-italienischen Dialekte. Tatsache ist, daß nur eine unbedeutende Zahl römischer Soldaten (weil es sehr weniger Römer gab und der Großteil ihrer Armee aus Männern bestand, die aus ihren eroberten Ländern rekrutiert wurden) in Rumänien siedelte und daß ethnisch moderne Rumänen fast keine Verwandtschaft mit Römern oder Italienern haben – und daß die Italiener selbst nicht von echten Römern abstammen, abgesehen von einer winzigen Zahl.

Doch um kohärent mit den Wissenschaftlern zu sein, die gern spekulative Theorien auf der Grundlage scheinbarer linguistischer Übereinstimmungen und anderer Elemente ausarbeiten, warum nicht einen weiteren absurden Ursprung der Roma (Zigeuner) vorschlagen? Hier ist er: Die Geschichte bezeugt, daß die alten Römer einen ungewissen Ursprung hatten; es ist nicht genau bekannt, woher sie kamen. Sie erschienen plötzlich durch Fakten, die mit Legenden verwoben sind, wie der Raub der Sabinerinnen – Brautraub ist ein typischer Zigeunerbrauch. Die Römer waren sehr abergläubisch und praktizierten Magie und Wahrsagerei und bevorzugten den zoroastrischen Mithraskult gegenüber ihrer eigenen heidnischen Religion. Sie waren auch von Ägypten fasziniert, sodaß sie viele Obelisken stahlen, die sie in ihrer Stadt aufstellten, obwohl sie keine Ägypter waren. Das Herz ihrer Hauptstadt wird „Foro Romano“ genannt, was auf Romanes genau „Zigeunerstadt“ bedeutet. Daher stammen die Roma (deren Volksname derselbe ist wie der Name ihrer ursprünglichen Stadt) von den alten Römern ab. Als sie Dakien eroberten, waren die Einwohner dort schwer zu unterwerfen, sodaß sie zahlreiche Armeen aus Rom schickten, und das ist der Grund, warum es so viele Roma in Rumänien gibt. Lächerlich, nicht wahr? Genauso wie die spekulativen Theorien, die von modernen Wissenschaftlern formuliert werden, die einen indoarischen Ursprung unterstellen! Tatsächlich hatten die alten Römer viele Merkmale mit den hurritischen/indischen Kshatriyas gemeinsam, zumindest in der Hinsicht, daß sie beide ein großes Reich gründeten, in dem den unterworfenen Völkern ein niedrigerer Status zugewiesen wurde, aber den Kriegern ein höherer. Sie waren ethnisch nicht miteinander verwandt, übten aber einen Einfluß auf die Bevölkerung aus, über die sie herrschten, der unauslöschliche Spuren über die Jahrhunderte hinterließ, sodaß viele dieser Völker immer noch durch die Sprache identifiziert werden, die sie sprechen: „Latein“ oder „Indo-Arisch“. Ist Sprache nicht ein irreführender Faktor?

Und schließlich würden die Unterstützer des indischen Ursprungs der Roma Amerika nicht entdecken. Sie denken immer noch, daß die Erde flach sei und es keine Möglichkeit gibt, den Osten zu erreichen, indem man westwärts segelt. Das ist eine Torheit, die sich nur ein Verrückter ausdenken würde, der es verdient, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Diese Wissenschaftler gründen ihre Mythen immer noch auf eine scheinbare linguistische Verwandtschaft, ohne die wahren Werte des Volkstums zu berücksichtigen, die weit über die Sprache hinausgehen. Ihre Theorien liefern jedoch keine Erklärung der Fakten, die in diesem Essay dargelegt wurden (siehe vorherige Seite: „Die Fakten“), wesentliche Besonderheiten der Roma und Sinti, die zu keinem indischen oder indo-arischen Volk gehören. Es ist Zeit, daß sie nach einer umfassenderen Hypothese suchen, die mit der Kultur und Spiritualität der Roma übereinstimmt, statt die Roma zur Akzeptanz einer Klassifizierung zu zwingen, in der Roma sich nicht wohlfühlen und mit der sie sich nicht wirklich identifizieren. Den Kshatriyas gelang es, den Roma ihre Sprache zu geben, aber es gelang ihnen nicht ihnen jeden anderen Aspekt aufzuzwingen; moderne Wissenschaftler versuchen diesen Assimilationsprozeß zu vollenden, indem sie den Roma ihre wahre Identität stehlen und ihnen eine andere zuschreiben, die ihnen völlig fremd ist.

Über die Gruppenbezeichnungen der Roma

Neben der nur auf Linguistik beruhenden Ursprungstheorie ist von Gadje-Wissenschaftlern auch eine willkürliche Klassifizierung der verschiedenen Roma-Gruppen nach fragwürdigen Mustern gefördert worden. Vielleicht die irrigste Definition ist die der „Rom Vlax“, die auf die osteuropäische Roma-Gruppe angewandt wird. In Wirklichkeit gibt es keinen einzigen Rom im ganzen Universum, der sich als „Vlax“ identifizieren würde. Man kann von denen, die in solch eine Klassifikation einbezogen wurden, sagen hören: „Ame sam Kalderasha“ oder „Ame sam Churarya“ oder „Ame sam Lovarya“ oder auch „Ame sam Gábor“ oder eine andere Identifikation, aber sicherlich würde man keinen von ihnen sagen hören: „Ame sam Vlaxurya“ oder „Ame das duma Vlaxitsko Romanes“. In Wirklichkeit hat solch ein Begriff überhaupt keine Bedeutung für Roma und existiert im Romanes auch nicht einmal.

Es gibt drei hauptsächliche Möglichkeiten einer Klassifikation des Volkes:

1) Der Name, mit dem Roma ihre eigene Gruppe benennen (diee beste Möglichkeit);
2) Der Name, der einer Gruppe von anderen Roma gegeben wurde (in den meisten Fällen eine akzeptable Möglichkeit);
3) Wie die Gadje Roma-Gruppen benennen (die unpassendste Art).

Leider ist die dritte Möglichkeit ausgewählt und zur offiziellen erklärt worden! Tatsächlich bedeutet der Begriff „Vlax/Vlah/Vlach“ „Rumäne, Walache“, das ist ein anderes Volk (siehe Vlach). Außerdem ist es in der Roma-Sprache wie ein Synonym für „Gadjo“, „Nicht-Rom“! Das ist bei den Roma aus Rumänien der Fall, die den „Gadjo“ mehr mit dem Rumänen identifizieren als mit irgendeiner anderen Nationalität; zum Beispiel kann man einen Rom bei einem internationalen Treffen verschiedene Völker so erwähnen hören: „Kothe sas Ungurya, Nyamtsurya, Frantsusanurya thai vi Gazhé“; übersetzt heißt das: „Da waren Ungarn, Deutsche, Franzosen und auch Gadje“, wobei mit „Gadje“ Rumänen gemeint sind. Wenn man also Roma als „Vlax“ klassifiziert, dann ist das dasselbe, als würde man sagen: „Gadje-Roma“ oder Roma Nicht-Roma!“

Der Ursprung des Wortes Vlax ist sehr gut definiert: es ist das Wort, mit dem die germanischen Völker die Kelten bezeichneten (und das heute im englischen Namen von Wales überlebt); nachdem die meisten keltischen Stämme romanisiert waren, wurde diese Bezeichnung auf die lateinischsprachigen Völker angewandt (wie die belgischen Wallonen, um sie von den flämischsprachigen Belgiern zu unterscheiden, oder das schweizerische Welsche, nämlich die französischsprachigen Schweizer, wie sie von den deutschsprachigen Schweizern genannt werden – ihre Kantone werden für gewöhnlich als Welschschweiz bezeichnet -, und in gleicher Weise wird das italienische Gebiet Trentino-Südtirol Welsch-Tirol genannt). [Einschub des Übersetzers: die Südtiroler nennen die Italiener „die Walschn“; vergleiche „Verkaufte Heimat“ von Felix Mitterer.] Später wurde der Begriff von den Slawen und Ungarn mit der Bedeutung römer-ähnlich, italienisch, französisch oder balkan-walachisch (rumänisch) übernommen; von daher der heutige polnische Name Italiens, Włochy, und das ungarische Wort für Italiener, Olasz (eine Variation von Olah, Walache). Um das Paradox zu vervollständigen, enthält derselbe Begriff auch die Bedeutung „Schafhirte“, ein Beruf, der niemals für Roma typisch gewesen ist…

Es ist keine leichte Aufgabe, eine angemessene Klassifikation der Roma-Gruppen zu erstellen, aber zumindest sollten wir versuchen, geeignetere Begriffe zu finden, die auch von Roma anerkannt würden oder mit denen sie sich in irgendeiner Weise identifizieren. Das erste abzuschaffende Wort ist natürlich Vlax!

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