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Geschichte

Die Wahrheit über Faschisten

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Oft wird behauptet, der Nationalsozialismus sei eine „deutsche Auflage“ des Faschismus durch Adolf Hitler gewesen. Es verwendeten die osteuropäischen Staaten und linksradikale Parteien in Westeuropa gerne den von Stalin geschaffenen Kunstbegriff „Hitler-Faschismus“ oder setzten den Nationalsozialismus dem Faschismus ganz und gar gleich.

Für die Linke ist „Faschismus“ nach wie vor der Feindbildbegriff schlechthin – ebenso inhaltsleer wie absolut negativ besetzt. Zudem vermeidet die extreme Linke damit, den Begriff „Sozialismus“, den sie für sich selbst beansprucht und absolut positiv auslegt, ihrem ideologischen Feindbild zuzubilligen.

Zwar ist der Nationalsozialismus dem Faschismus teilweise verwandt in der Ablehnung des Liberalismus und Parlamentarismus und der Bekämpfung des Marxismus, teilweise auch im autoritären Aufbau des Staates, jedoch bestehen große weltanschauliche Gegensätze.

Die Nationalsozialisten übernahmen aber einiges aus der Liturgie des Faschismus, wie das Braunhemd analog zum faschistischen Schwarzhemd oder den „salute romana“, den römischen Gruß mit ausgestreckter Hand unter der Bezeichnung „Deutscher Gruß“.

Durch die sogenannte Antifa wurde der Faschismusbegriff beliebig gemacht. Die in Einzelfällen von den Geheimdiensten gesteuerte Antifa denunziert Personen und Gruppen, die dem System gefährlich werden, als Faschisten. Tatsächlich handelt es sich bei der Antifa um eine faschistische Organisation im Sinne Wilhelm Reichs, der Faschismus als politisch organisierten Ausdruck der durchschnittlichen menschlichen Charakterstruktur definierte.

Faschismus ist ein Begriff, der vom italienischen fascio abgeleitet wird, was soviel wie „Bund“ oder „Bündnis“ bedeutet. Erst nachträglich wurde es üblich – im Zuge der Aneignung des Rom-Kultes durch den italienischen Faschismus – eine Beziehung zu den Fasces herzustellen (Rutenbündel mit einer Axt in der Mitte, die die römischen Liktoren als Zeichen der vollziehenden Gewalt des Konsuls beziehungsweise Diktators trugen).

Bezeichnenderweise fand das Wort fascio zuerst am Ende des 19. Jahrhunderts in der italienischen Arbeiterbewegung Verwendung, um spontane Zusammenschlüsse zu bezeichnen, die sich bei Streiks oder Protesten bildeten. Die durch Mussolini nach seiner Trennung von der sozialistischen Partei zur Stärkung des Interventionismus gegründeten Fasci d’Azione verstanden sich genauso in dieser Tradition wie die Fasci di Combattimento, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zum Sammelpunkt enttäuschter Nationalisten und Sozialisten wurden, die den „verlorenen Sieg“ wettmachen, die schwache parlamentarische Ordnung beseitigen und gleichzeitig die Bedrohung durch eine kommunistische Revolution abwehren wollten.

Die Verknüpfung von nationalistischen und sozialistischen Elementen bestimmte auch die Programmatik des Faschismus, was erklärt, warum viele Zeitgenossen ihn als eine Bewegung jenseits des alten Links-Rechts-Schemas betrachteten. Dabei war keineswegs von Anfang an geklärt, daß im Zweifel das rechte Element den Ausschlag geben und sich ein Bündnis mit konservativen Kräften anbieten würde. Mussolini selbst schwankte jedenfalls lange Zeit zwischen der Option eines Reformsozialismus und einer Radikalisierung des nationalistischen Konzepts. Im romanischen Faschismus, dem italienischen „Urfaschismus“ ebenso wie im französischen und spanischen Faschismus, blieb die Zahl der linken Renegaten auffallend groß, die im Faschismus vor allem eine Modernisierungs- und Radikalisierungsmöglichkeit der sozialdemokratisierten Arbeiterbewegung sahen, unter Umgehung der Irrtümer des Kommunismus (Georges Valois, Jacques Doriot, Marcel Déat). In gewissem Sinn gilt diese Einschätzung auch für den Briten Oswald Mosley, den Iren Patrick O’Duffy und den Grenzgänger Hendrik de Man.

Jedenfalls kann die Zusammenarbeit mit der traditionellen Rechten nicht aus deren Wesensgleichheit verstanden werden. Von konservativer Seite wurde immer das aktivistische Element sowie die prinzipielle Bejahung der Massengesellschaft kritisiert. Unter dem wachsenden Druck während des Zweiten Weltkriegs zeigten sich nicht nur fundamentale Konflikte, in vieler Hinsicht kann die Auseinandersetzung in Europa auch gedeutet werden als Kampf zwischen Konservativen wie Churchill oder de Gaulle und Faschisten.

Wenn in diesem Fall eine Gleichsetzung von Faschismus und deutschem Nationalsozialismus vorgenommen wird, bleibt die aber insgesamt doch problematisch. Zwar hatten beide das national-sozialistische Schlüsselelement in der Ideologie gemeinsam und es gab gewisse Übereinstimmungen im politischen Stil (Uniformierung, martialische Symbolik, Massierung, Dialog von „Führer“ und „Gemeinschaft“), aber die Nationalsozialisten verwendeten bezeichnenderweise „Faschist“ als abwertende Vokabel, um jene zu markieren, die nur beinahe, aber nicht konsequent auf ihrer Seite standen.

Diese Wahrnehmung erscheint vor allem aus zwei Gründen berechtigt:

  1. Der Faschismus orientierte sich in seiner politischen Zielsetzung immer zuerst auf den Staat, nicht auf „Volk“ oder „Rasse“,
  2. damit in Zusammenhang steht, daß es keine zwingende Verknüpfung von Faschismus und Antisemitismus gibt; für den italienischen Fall ist darauf hinzuweisen, daß zu dessen Führungskreis lange Zeit auch Juden (und Freimaurer!) gehörten und eine Rassengesetzgebung erst unter deutschem Druck zustande kam und niemals ganz konsequent durchgesetzt wurde.

Insgesamt erscheint der Faschismus als ein ausgesprochen heterogenes Gebilde. Wenn man den Begriff generalisierend verwendet, reicht das Spektrum von den Bauernwehren der finnischen „Lappo“ und der christlich-fundamentalistischen „Eisernen Garde“ in Rumänien über den Faschismus im eigentlichen Sinn mit seinen zahllosen Nachahmern bis zu den ägyptischen „Grünhemden“ und dem argentinischen „Peronismus“. Die ideologischen Unterschiede blieben, trotz der gemeinsamen Frontstellung gegen Kommunismus und Liberalismus und trotz des gemeinsamen Bezugs auf einen integralen Nationalismus, erheblich. Ähnlich unübersichtlich erscheint auch das Bild der Regime, die von siegreichen faschistischen Bewegungen gegründet wurden; der Grad ihrer „Totalität“, auch ihres Vernichtungswillens gegenüber wirklichen oder vermeintlichen Gegnern, schwankte.

Diese Unübersichtlichkeit erklärt zum Teil, warum nach 1945 die Frage nicht abschließend zu beantworten war, ob mit der Niederlage der Achsenmächte auch der Faschismus erledigt sei, dessen „Epoche“ (Ernst Nolte) eben von der Bolschewistischen Revolution bis zu diesem Ende gedauert habe, oder ob man von einer grundsätzlichen faschistischen Option der modernen Gesellschaft ausgehen müsse, die in Krisensituationen immer wieder dazu neigen kann, den Faschismus als Bewältigungsmittel zu erproben, der nicht einfach als Knüppelgarde der Oberschicht auftritt (so das Verdikt der Marxisten), sondern seinerseits die Massen neu zu mobilisieren und zu organisieren sucht; entsprechend haben die intelligenten Apologeten des Faschismus nach 1945 argumentiert (Léon Degrelle, Maurice Bardèche). Jenseits der aktuell politischen Indienstnahme des Faschismusvorwurfs könnte man dann durchaus von einer Fortsetzung des Faschismus in bestimmten religiösen Bewegungen – sogenannter „Hindu“- oder „Islamofaschismus“ – sprechen.

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